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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
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Francia

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1820 anzettelten, bot dem Dictator Gelegenheit dar, einen langst gemachten Ent-wurf auszuführen. Zum Argwohn geneigt, glaubte er, daß die engen und krum-men Straßen der Hauptstadt die angebliche Absicht der Verschworenen begünstigten,ihn bei einem Spazierritte zu überfallen, und ließ viele Häuser niederreißen, umneue Straßen zn eröffnen oder die alten zu erweitern, und endlich 1821 fast dieganze Stadt verwüsten, um sie neu zu erbauen. Die Fremden schien F. an-fanglich schonend behandeln zu wollen; nur durften sie seinen Argwohn nichtreizen, daß sie sich mit der Bereitung des Paraguaythees abgeben wollten, dieer, wie einst die Jesuiten, als Stautsmonopol betrieb. Dies war es, wasihn bewog, den französischen Naturforscher Bonpland seit 1821 in langer Ge-fangenschaft zu halten. Die Absonderung des Landes, die F. nach dem frü-hern Beispiele der Jesuiten ausführte, ohne ihr Schüler oder AnHanger ge-wesen zu sein, wurde desto strenger, seit die Unruhen in den südlichen Re-publiken gestillt und geordnete Verwaltungssormen eingeführt waren, die ermehr fürchtete als ihre frühern Kriege; Paraguay sollte nie aus dem Zu-stande der Knechtschaft treten. Nur mit dem zum Kaiserthum erhobenen Bra-silien knüpfte er 1822 Handelsverbindungen an, die aber bei den Beschränkun-gen, die er dem Verkehr auflegte, keinen gedeihlichen Erfolg hatten. Als dasganze Land seinen Befehlen unterworfen war, schien er seit 1824 zu mildern Ge-sinnungen zurückkehren zu wollen; aber bei jedem Anfall einer hypochondrischenLaune erlaubte er sich Handlungen, die an die Schreckenszeit erinnerten. DieSchildwachen vor seiner Thürs erhielten einst Befehl, auf jeden Vorübergehendenzu schießen, der zu seinen Fenstern hinaufzublicken wagen würde, und erst alsauf einen Indianer war geschossen worden, der neugierig die Wohnung betrach-tete, wurde diese Verfügung wieder aufgehoben. Er hob 1824 die noch inParaguay bestehenden Kloster auf und erklärte diejenigen Mönche, die nicht inden weltlichen Stand zurücktreten wollten, für unnütze Glieder des Staats. DieGüter dieser Klöster sielen dem Staate zu. Als 1825 der englische Geschäfts-träger Parish die Freilassung mehrer in Paraguay zurückgehaltener Engländerverlangte, gestattete er zugleich einem Paraguayer, eine Reise zu unternehmen, umden Schein zu vermeiden, als ob er der Nothwendigkeit weiche. Paraguay istfortdauernd in dem Zustande gänzlicher Absonderung, und die Sperre in den letz-ten Jahren sogar noch strenger geworden. F. hat die Menschen von seinem erstenEintritt ins öffentliche Leben an nur durch die Ausübung seines Berufs, und da-durch nur von einer sehr ungünstigen Seite kennen gelernt. Abgeschieden vonMenschen, erhielt sein Charakter eine Härte und Unbiegsamkeit, die ihn immermehr zu Verirrungen hinrissen, zumal da seine Stimmung durch Anfälle vonHypochondrie noch mehr gestört wurde. Er lebt in einem geräumigen, einzelnstehenden Gebäude, das von den Jesuiten kurz vor ihrer Vertreibung aus Pa-raguay aufgeführt wurde, in der größten Zurückgezogenheit mit vier Sklaven, dieer sehr milde behandelt. Zuweilen bewohnt er die Cavaleriecaserne und vergnügtsich mit der Jagd, um die Einförmigkeit seines Lebens zu unterbrechen. Er istmit seinem eignen Gelde nicht haushältig, aber mit dem Staatseinkommen spar-sam. Seine Familienverhältnisse haben nie Einfluß auf die Leitung der öffent-lichen Angelegenheiten, und selbst seiner Schwester, der er sehr gewogen ist, nahmer die Verwaltung seines Landgutes, weil sie sich eines Polizeidieners zur Züch-tigung eines entflohenen Sklaven bedient hatte. In der Lage, in welche F. sichversetzt hat, bleibt ihm nichts übrig als un5?r den Trümmern des unnatürlichenGebäudes, das er errichtet, zu fallen. Vgl.Historischer Versuch über die Re-volution von Paraguay und die Dictato-rialregierung des vr. Francia", von Neng-ger und Longchamp (Stuttgart 1817), gegen welchen F. einen in den33mes"vom 6. Nov. 1830 abgedruckten heftigen Aufsatz schrieb.

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