Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
716
Einzelbild herunterladen
 

Dr a

D r a

machen, oder die Menschen dadurch da-her zu beschäftigen, festzuhalten, u, s. w.so würde doch die, durch sie geweckte Ein-bildungskraft des Mensche» sehr leicht vonselbst darauf gefallen seyn. NatürlicherWeise mußten aber diese Vcrflnnlichungcn,ursprüngliche mehr aus stummen Aufzü-gen , Prozessionen, oder dergleichen, alsaus Reden, mehr aus einem bloßenSchauspiele, als aus einem eigentlichenDrama bestehen, so wie jenes Schau-spiel selbst, nach Maßgabe der Eigenhei-ten der verschiedenen Religionen, beyverschiedenen Völkern, sehr verschiedenausfallen, und bei» den Griechen z. B. (inden Satprspielen) auf Erweckung fröhli-cher, und bey den christlichen Völkern(durch die Mysterien) aus die Erweckungernsthafter, oder so gar trauriger Em-pfindungen zwecken. Auch wird eS, ausdiesem Unterschiede, begreiflich, wie beyden letzter», es sehr balde eine bloße re-ligiöse Fcycrlichkcit zu scyn aufhörte, oderwie doch, neben demselben, sich sehr früh-zeitig mancherlei), blos auf Belustigunggewichtete Schauspiele bildeten, und Men-schen, ohne jene Veranlassung, sich nurzu dergleichen, zusammen thaten. Esbedurfte, indessen, bey allen Völkern,mehr oder weniger Zeit, che das Dramaselbst, in der ihm eigenen Gestalt, zurWirklichkeit gelangte; und es war de»den mehrestcn, wenigstens schon zu einerrohen Form gediehen, che cS eine be-stimmte, ihm angemessene, eigene Stätefand. Um daß, durch Menschen, leben-dige Gemähldc von einer Reihe von Be-gebenheiten vollkommen dargestellt, undandre Menschen redend und handelnd auf-geführt werden können, müssen sich nichtbloS Gesellschaften dazu vereint haben, son-dern dergleichen Gcmählde müssen auchzusammengesetzt, oder dramatische Werkegeschrieben, und ein, zu ihrer Darstel-lung geschickter Ort, gleichsam ansgcrü-,flet seyn. Eines läßt von dem andernj lch nicht trennen, obgleich, der Natur derstchacho gemäß, das Sine immer ehe, a!Sd YS Andre da seyn muß, und keines der-se lben zugleich mit einem Mahle, in sei-

ner Vollkommenheit da sevn kann. Vonden, in Thierhäute gehüllten, das Antlitzmit Weinhefen beschmierten atheniensi,sehen Landlcnten, oder den, in Engel,Hohepriester, jüdische Weiber, u. d. m.verkleideten Schulknabcn bis zu einemRooeius, Garrik oder Eckhof; von denersten, wahrscheinlicher Weise, ganz stum-men Nachahmungen irgend einer Bege-benheit, oder irgend eines Menschen, undden, vielleicht bloßen mündlichen Erklä-rungen dieser Nachmachimgen, bis zu ei-nem Oedip oder einer Andria, zu einemMahomet oder cincni Misanthropen, zueinem Othello oder einer heimlichen Hcu-rath, zu einer Emilia Galotti oder Min-na von Barnhcim; von dem Karren desThespiS, bis zu dem, vom Peeiklcs er-bauten Theater odcr den neucrn Opern-häusern , sind sehr viele Schritte zu durch-zulaufen , und die Schwierigkeiten dabcywerden dadurch nicht wenig vergrößert,daß, mehr oder weniger, das Eine demAndern zu Hülfe kommen uuiß. OhneMenschen, welche Schauspiele gaben, diekeine Dramen waren, würden, wie ge,dacht, wahrscheinlicher Weise, nie eigent-liche dramatische Werke, und, ohne dra-matische Werke, wieder schwerlich eineeigentliche Schauspielcrkunst haben entste-hen können; und, wenn gleich, bey ei-nigen neucrn Völkern, Werke jener Art(auf ihren inncrn Werth kommt es hiernicht an) ehr geschrieben worden seyn soll-ten, als sie, durch die Art und den Gradihrer eigenen Bildung, dazu besondreVeranlassungen erhalten hatten, wie z.B.die Stücke unsrcr Roswitha im iotcn Jahr-hunderte: so würde doch dieses, ohnedergleichen Werke bey den alten Völkern,

nie möglich gewesen seyn.

Was die Geschickte des Drama an-betrift: so versteht es sich von selbst, daßalle mögliche Arten menschlicher Handlun-ge» und Begebenheiten, so wohl ernst-hafte und traurige, als fröhliche undlächerliche, u. s.w. und von diesen wie-der mehrere Arten zusammen oder jede fürsich allein, sich in dergleichen lebendigeGemähide bringen, oder aus Menschen

aus