XII Vorrede
Vorredezu der ersten Ausgabe.
er Mensch besitzet zwey, wie es scheinet, von einander unabhäng-liche Vermögen, den Verstand und das sittliche Gofühl, aufderen Entwiklung die Glükseligkeit des gesellschaftlichen Lebens gegrün-det werden muß. Von dem Verstand hänget die Möglichkeit desselbenab, das sittliche Gefühl aber giebt diesem Leben das, ohne welches das-selbe keinen Werth haben würde.
Daß die Menschen nicht mehr einzeln, oder in kleinen Horden,gleich den Thieren des Feldes herum irren, um eine kümmerliche Nah-rung zu suchen; daß sie beständige Wohnplätze und einen zuverläßigcnUnterhalt haben; daß sie in großen Gesellstbaften, und unter guten Ge-setzen leben, ist eine Wohlthat, die sie dem Verstand zu danken haben, derdie mechanischen Künste erfunden, Wissenschaften und Gesetze ausgedachthat. Sollen aber die Menschen diese herrlichen Früchte des Verstandesrecht genießen, und in dem großen gesellschaftlichen Leben glüklich seyn,so müssen gesellschaftliche Tugenden, so muß Gefühl für sittliche Ord-nung, für das Schöne und Guce in die Gemüther gepstanzet werden.
Man betrachte den Zustand vieler großen Völker, bey denen derVerstand wohl angebaut ist; wo die mechanischen Künste und die Wis-senschaften zu einer beträchtlichen Vollkommenheit gestiegen sind, undfrage sich selbst, ob diese Völker glücklich seyen ? Bey der Untersu-chung, warum sie es nicht sind, findet man, daß es ihnen an den Ner-ven der Seele, an dem lebhaften Gefühl des Schönen und Guten fehlet;man findet sie zu träg sich der Unordnung zu widersetzen, zn gefühllosden Mangel des Guten lebhaft zu empfinden, und zu unwirksam, ihmda, wo sie ihn noch empfinden möchten, abzuhelfen.
Zwar