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ohne die Zuschauer das Unnatürlichedieser Kürze fühlen zu lassen.
Darinn waren die Alten mehr ein-geschränkt/ als wir. Die Schau-bühne wurde bey ihnen nie leer, weilder Chor immer zugegen war; wiraber lassen nach jedem Aufzuge dieBühne leer, dadurch verliert maneinigermaßen das Gefühl des Zeit-maaßes der Dinge, die inzwischengeschehen. Allein auf der andernSeite scheinet diese vollige Unterbre-chung der Handlung gegen die Na-tur der dramatischen Vorstellung zuseyn; weil der Zuschauer dadurchleichter aus der Täuschung heraus-kommt. Noch ungeschikter aber istes, daß der Zwischenraum, in wel-chem man von der Handlung nichtssieht, mit ganz fremden Gegenstän-den, dergleichen die Ballette sind, an-gefüllt werde. Dieses ist eine Barba-rei), die unwidersprechlich beweiset,daß es uns bey dem Schauspiel mehrum Lustbarkeit und Zeitvertreib, alsum den Nutzen zu thun ist, den mandaraus ziehen kann, daß man ein Zeu-ge merkwürdiger Handlungen ist.
Die Regel also, welche befiehltdie Handlung so einzurichten, daßman, ohne etwas unnatürliches zuempfinden, sie in ein paar Stundenals ein Augenzeuge ansehen könne,ist nicht eine blos willkührliche Ein-schränkung der dramatischen Kunst,sondern in der Natur der Sache ge-gründet, und ist das, was dieKunstrichter die Einheit Vcr Zeitnennen.
Soll die Handlung natürlich vor-gestellt werden, so muß sie so be-schaffen seyn, daß auch in dem Orte,wo wir die handelnden Personen se-hen, nichts widersprechendes sey.Was seiner Natur nach auf eineinöffentlichen Platz geschehen muß, sollnicht in einem Zimmer, und was ingeheim geschehen soll, nicht auf öf-fentlichem Platz vorgestellt werden.Man muß eine sehr genaue Ueberein-
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kunft der Dinge, die geschehen, undder Oerter da sie geschehen, beob-achten. Darinn waren die Alten sehrstreng, und man wird schwerlich et-was unschikliches in dieser Art beyihnen antreffen. Die Neuem beob-achten hierin», wegen der insgemeinsehr schlechten Einrichtung des Thea-ters, weniger Genauigkeit. Mansieht bisweilen, daß eine offene Gal-lcrie, oder der Flur eines Hauses,wo jedermann durchgeht, die Stelleeines geheimen Conferenzcabincts,und im Gegenthcil ein Cabinet dieStelle eines Durchganges, oder ei-ner Gallerie vertritt, wo jedermannunangemeldet hinkommen darf. Der-gleichen Unrichtigkeiten können so an-stößig werden, daß sie die Aufmerk-samkeit auf die Hauptsachen merk-lich schwachen.
Die Alten beobachteten in ihrendramatischen Vorstellungen in An-sehung des Orts diese Negcl unver-brüchlich, daß die Schaubühne ei-ne» Ort vorstellte, an welchem alles,was vor den Augen des Zuschauersgeschah, natürlicher Weise geschehenmußte: diesen einzigen Ort behieltensie unverändert die ganze Vorstel-lung hindurch; und was als gesche-hen erkannt werden mußte, das dochan diesem Orte nicht geschehen konnte,kam in Erzählung vor. Dieses nen-nen die Kunsirichter die Einheit desGrrs. Die Neuem binden sich we-niger an diese Regel; sie stellen oftdem Auge des Zuschauers die Hand-lung so vor, daß es unmöglich wirddenselben Ort durch die ganze Hand-lung bcyzubehaltcn. Man ficht bis-weilen einen Theil derselben auf ei-nem öffentlichen Platz, mnd einen an-dern in einem geheimenZimmer; deß«wegen wird die Sccne währenderHandlung oft verändert- Man kannsich endlich über das, was hisrinnunnatürlich ist, wegsetzen; aber beyder Einheit des Orts ist doch derganze Faden dör Vorstellung umm-
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