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terbrochen; die Rcyhe unsrer Vor-stellungen hat nicht so viel zweifel-haftes, das man mit Gewalt weg-räumen muß, und die Aufmerksam-keit wird beständig auf die Haupt-sache geheftet. Und dann scheinet esdoch einigen Mangel an Dichtungs-kraft anzuzeigen, daß man nöthighat den Zuschauer bald an diesen,bald an einen andern Ort zu führen.Der ist unstreitig gcfchiktcr, der dieZuschauer auf einer Stelle mit einemwichtigen Schauspiel unterhaltenkann, als der, welcher nöthig hat,ste in einem ganzen Haus, oder garin einer Stadt herum zu führen.
Die genaue Beobachtung der Ein-heit des Orts wurde den Alten vielleichter, als den Ncncrn; weil jeneinsgemein einfachere Handlungenvorstellten, als die sind, die von denNeuern gewählt werden. Aesclip-lus, Sophokles und Aristophancssahen, daß eine sehr einfache Hand-lung , wo alles auf einer Stelle ge-schieht, durch die Personen, und diesich dabei) äußernden Gedanken undEmpfindungen höchst interessant seynkönne; und sie wußten in der Thatden Mangel des Mannigfaltigen, inAnsehung dcs Aeußcrlichcn der Hand-lung, durch desto größere Mannig-faltigkeit und durch die Wichtigkeitdessen, was innerlich in den Gcinü-thern vorgeht, reichlich zu ersetzen.Drei) oder vierPcrsonen konnten, fastohne von der Stelle zu rükcn, denZuschauern ein wichtiges Schauspielvor Augen stellen. Die Neuern schei-nen aus Mißtranen in ihr Genie,oder auch aus würklichcm Unvermö-gen, in die Nothwcndigkeit gesetztzu seyn, einen wcitläuftigen Stoffzu wählen. Sic haben mehr Perso-nen, mehr Vorfälle, und so gar Ne-benhandlungen oder so genannte Epi-soden nöthig, um ihre Zuschauer ineiner ununterbrochenen Aufmerksam-keit zu unterhalten. Sie getrauensich selten eine oder zwei) Hauptpcr-
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sonen so groß zu bilden, daß mansich mit ihrer Art, bey einem einzigenVorfall zu denken und zu handeln,hinlänglich beschäffrigen könnte; siehaben noch andre Personen nöthig,um der sinkenden Aufmerksamkeit'aufzuhelfen; mehrere Vorfälle, umihrem Schauspiel Leben zu geben;und können daher sich auch nicht al-lemal an einen Ort binden. Aberdieser Ncichthum der Materie ist imGrund nichts als Armuth, die durchdie Menge gemeiner Sachen das zuersetzen sucht, was den wenigenHauptsachen an innerlichein Werthmangelt; ein Hülfsmitte! der Dich-ter, die nicht Genie genug haben,oder die zu lebhaft und zu ungedul-dig sind, ihre Vorstellungen m abge.messenen Schranken zu halccn. Indiesem letzter« Fall scheinet Shake-spear gewesen seyn, der bey demgrößten Vermögen, eine sehr einfa-che Handlung höchst interessant zumachen, sich die Mühe nicht hat ge-ben wollen, einfach zu seyn-
Diese Einfalt der Handlung, danur ein einzigesInteresse vom Anfangbis zum Ende vorkommt, das durchkeine episodische Nebenhandlung undzufällige Vorfälle unterbrochen wird,ist die Wichest Oer Handlung ge-ncnnt worden, und macht also mitden Einheiten des Orts und der Zeit,deren bereits Erwähnung geschehen,das aus, was man die drei) Einhei-ten des Drama zu nennen pflegt *).Ohne sie kann die Handlung nichtnatürlich genug seyn, und deßwegcuhalten viele sie für eine wesentlicheEigenschaft des dramatischen Ge-dichts. Wie sie aber seinen eigent-lichen Werth, von dem sogleich sollgesprochen werden, nicht ausmachen,so ist auch nicht zu leugnen, daß dieNeuern interessante Stüke gemachthaben, denen dieser Vorzug man-gelt. Man kann aber immer gewißAy 2 be-
S. Einheiten,