Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
687
Einzelbild herunterladen
 

D i s

denn endlich der harmonische viel-stimmige Gesang einstanden unddnrchgehends eingeführt worden.

Der Discant ist überall, wo ervorkommt, die Hauptstimmc, weiler die höchste ist; folglich muß derSetzer allemal auch den größtenFleiß auf denselben wenden. Wenner sich gehörig ausnehmen soll, somüssen die sogenannten vollkomme-nen Consonanzen, nämlich die Octavund die Quinte, so viel möglich dar-um vermieden werden, damit sichdieser oberste Gesang desto besser aus-nehme.

Da ferner die höchsten Töne weni-ger nachklingen als die tiefcrn, soist es der Natur dieser Stimme ganzgemäß, daß sie mehr kurze Noten,oder sogenannte Diminutioncs habe,als jede andre Stimme, insonocrheitin Tonstüken für solche Instrumente,die den Ton nicht anhalten können.Es ist ohnedem der Natur gemäß,daß höhere Stimmen schneller redenund singen, als tiefe, welche durchein zu geschwindes Fortschreiten voneinem Tone zum andern eine Verwir-rung verursachen würden

Zins eben diesem Grunde schikensich alle Ztrlen der mclismatischenAuszierungen, die Setzer und Sän-ger anzubringen pflegen, in dieseStimme am besten, die wegen ihrerHöhe weder der lieblichen Bedungen,noch der sanften Schleifungen undandrer zumNachdruk gehörigerVcr-änderungen, wodurch die tiefere Tö-ne oft so sehr reizend werden, in demGrad fähig ist, als andre Stimmen.

Dissonanz.

(Musik.)

Aach dem Ursprung des Worts be-deutet es einen Klang, in dem manzwey sich nicht sanft genug vereinigen-de Töne unterscheiden kann; also ei-nen Klang, deines an gehöriger Har-

") S. Theisimg.

D i s bkj?

monie fehlt, oder das Gegentheil derCoiisonanz. Wie aber das Consoni»reu nichts absolutes ist, sondern vonder vollkommenen Harmonie zweyerim Unisonns gestimmten Samen all-mahlig abnimmt, bis man endlichzwischen den zwey Tönen mehr einenStreit, als eine Uebereinstimmungempfindet; so laßt sich nicht mit Ge-nauigkeit sagen, wo das Consonirenzweyer Töne aufhöre und dasDisso-niren anfange, wie bereits im Arti-kel Scmfonan) ist erinnert worden.

Damit die für die Musik wichtigeMaterie von den Dissonanzen deut-lich und gründlich abgehandelt werde,soll erstlich der BegrissderDissonanz,so genau als es sich thnn läßt, festgesetzt, hernach die in der heurigenMusik vorkommenden Dissonanzenangczciget, zuletzt aber, wie dieselbenzu brauchen und zu behandeln sind,gelehrt werden.

So wie die Harmonie oder dasConsoniren aus einer solchen Ueber-einstimmung zweyer Töne entsteht,die sie in einen Klang vereiniget, indem man die Verschiedenheit der Tö-ne ohne Widrigkeit fühlt, so einstehtdas Dissonircn ans einer gewaltsa-men Vereinigung zweyer Töne, dieeinander zu widerstreiten scheinen.Man merkt nicht nur die Verschie-denheit der beyden Töne in demKlang, sondern zugleich etwas wi-driges, das ihrer Vereinigung ent-gegen ist. Dabey ist dieses oszenbarzu fühlen, daß diese Widrigkeit zu-nimmt, je naher die beyden Töne inAnsehung ihrer Höhe an einanderkommen. Nur wenn sie sich so na-he kommen, daß man sie für einerlei)hält, so wird das Dissonircn in einvölliges Harmoniren verwandelt.

Läßt sich hieraus nicht abnehmen,daß das Dissonircn ans etwas Wi-dersprechendem in der Empfindungentstehe? Wenn diejenige Dissonanzdie widrigste ist, in welcher die bey-den Töne in Ansehung der Höhe nur

wenig