Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
683
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fangszrcmde einer Theorie derDichtungsarten von I. I. llcngel,Bcrl. 178z. 8- (Wer bedaucer nicht, daßdas Werk unvollendet bleibt)) — Joh.G. Sn!?crs Theorie oerD.chrkuifii,voil Albr. Rirchinaver, Nftünclzen1788-1789. 8. 2B. (Steht nur dcr Voll-ständigkeit wegen hier, weil der Titelschon sagt, daß es nichts Neues und Ei-genes enthält.) Eigentliche Lehr-gedichte über die Poesie überhaupt, oderganze Poetiken in Versen besitzen wir nicht.Allenfalls läßt sich nur hieher rechnen:G. E. Lessiugs Gedicht: lieber die Regelnder Wissenschaften zum Vergnügen, be-sonders über die Poesie und Musik, in s.Kleinen Schriften, Deel. 175z u- f. 12.und im oten Th. s. Vermischten Schrif-ten, Verl. >784. 8. S. >>7. und Abr.Gotth. Kästners Gedichte: über die Pflich-ten der Dichter allen Lesern verständlich zuscyn, und über einige Pflichten des Dich-ters, im (itcn Th.) s. Vermischten Schrif-ten, Alt. >755. 8. S. 76 u. f. — —G. übrigens den vorhergehenden, und denArt. Aesthctik.

Aichkungskraft.

(Schöne Künste.)

Aas Vermögen, Vorstellungen vonGegenständen der Sinnen und der in-nen: Empfindung, die man nie un-mittelbar gefühlt hat, in sich her-vorzubringen. Jeder Mensch be-sitzt dieses Vermögen mehr oder we-niger, und vielleicht ist niemand,der nicht nach dem Beyfpiel der Din-ge, die er empfunden oder erfahrenhat, andre, die gar nicht vorhan-den sind, sich einbilde; aber denKünstlern ist sie in einem vorzügli-chen Grad nothwcndig.

Da sie uns die sinnlichen Gegen-stände nicht eben so vorstellen, wiesie dieselben aus der Erfahrung ha-ben, fondern so, wie sie dieselben zueiner desto lebhaftem Würkung gernempfunden hatten: so müssen sie ei-nen ziemlichen Grad der Fertigkeit

haben, solche Gegenstände nach ih-ren Absichten zu bilden. Auch müs-sen sie Dinge, die nicht sinnlich sind,unter ahnlichen sinnlichen Gestaltendarstellen, um das, was der Ver-stand schwer oder nicht lebhaft ge-nug fassen würde, vermittelst derEinbildungskraft lebhaft zumachen:sie müssen also sinnliche Gegenstände,die genaue Abbildungen nicht sinnli-cher Vorstellungen sind, erdichtenkönnen. Unter den Künstlern hatder Dichter dieses Vermögen im höch-sten Grad nöthig, weil er den wei-testen Umfang der Vorstellungen zubearbeiten sucht, und besonders auchdcßwcgen, weil er niemals für dieSinnen, sondern für die Einbil-dungskraftarbeitet; daher er dennschlechterdings nöthig hat, Gegen-wände zu erdichten, die der Einbil-dungskraft sinnlich darstellen, wasauf die unmittelbarste Weise sich blosauf den Verstand bezieht. Es istalso nicht ohne Grund geschehen, daßihm in unsrcr Sprache der NamenDichter vorzüglich beygelegt wor-den, ob er gleich auch andern Künst-lern zukommt.

Durch die Dichtungskraft bekom-men abgezogene und schwere Begriffeein körperliches Wesen, wodurch sielebhaft und leicht faßlich werden;durch sie bekommen Charaktere, Sit-ten, Handlungen und Begebenheitenden höchsten Grad der Wahrschein-lichkeit, indem jedes einzelne dadurchin sein rechtes Licht gesetzt, und dieWahrheit des Ganzen augenscheinli-cher wird. Denn das, was würk-Iich geschieht, ist, wie schon Aristo,teles angemerkt hat, nicht immerdas wahrscheinlichste; es läßt unsim Zweifel entweder über die Beschaf-fenheit der Sache, oder über ihreUrsachen; auch ist es nicht immerdas, was in seiner Art die stärksteWürkung auf uns macht. Durchglükliche Erdichtungen hat Homerin der Person des Ulysses einen voll-kommen