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günstigen Einfluß zu haben. Manhat aus dieser Zeit geistliche Lieder,die völlig die Sprache und den Tonhabt«, der dteser Gattung zukommt;nur sind sie unter der großen Mengeganz schlechter so einzeln, daß sie kei-ne Epoche in der Geschichte Verdeut-schen Dichtkunst macchen können, dieman von den Zeiten der schwäbischenDichter an bis in das sechzehnteJahrhundert, obgleich eine unzähl-bare Menge Reimer in diese Zwi-schenzeit fallen, für erloschen anse-hen kann.
Die Sitten und der Geschmak derNation scheinen der Dichtkunst entge-gen gewesen zu seyn; man fand mehrGefallen an theologischen Untersu-chungen, als an schonen Gegenstän-den der Einbildungskraft und derEmpfindung. Die bcydcn Straß-burgcr Johann Lischart und Seba-stian Zöranö, die ain Ende des fünf-zehnten und Anfange des scchszehn-ten Jahrhunderts gelebt haben, bcy-des Manner von wahrem Genie,machten keinen Eindruk auf ihre Zeit-verwandten, und ihr Bcyspicl be-weist hinlänglich, daß die Sittenund der Geschmak der damaligen Zei-ten schlechterdings nichts gehabt,das der Dichtkunst günstig gewesen.Die große Welt hatte das Gefühl da-für verloren; sie gcricth dem Pöbel indie Hände*), und ward von ihmsoge-mißhandclt, wie sie noch in dcnSchrif-ten Hans Sachsens ausstehet.
In der ersten Hälfte des sieben-zehntcn Jahrhunderts erschien Mar.tin Gpitz, den die neuer« DichterDeutschlands für den Vater der er-neuerten Dichtkunst halten. Cr hat-te nicht nur das Genie eines Poeten,sondern auch hinlängliche Kcnntnißder Alten um es auszubilden, undEeschiklichkeit die Sprache dem star-ken und richtigen Ausdruk der Ge-
*) S. Sammlung critischcc, poetischerund andrer geistvoller Schriften, / Et.S. 54.
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danken zu unterwerfen, und doch wol-klingend zu seyn.
Nach einer so langen Barbarei),iit West che die deutsche Dichtkunst ver-sunken gewesen, hatte dieser großeDichter nicht nur durch sein Bcy-spicl andre Köpfe zur ächten Poesiewieder ermuntern, sondern der Na-tion selbst einen Geschmak daran ge-ben können. Aber weder das einenoch das andre erfolgte. Fast nochein ganzes Jahrhundert hindurch,nachdem Opitz so schöne Proben vonstarken Gedanken, von einer natür-lich fließenden und babcy sehr nach-drüklichen Sprache gegeben, sahDeutschland eine Menge schlechterDichter, die weder durch ihre Ma-terie noch durch ihre Schreibart diegeringste Aufmerksamkeit verdienten.Und obgleich in dieser Zeit hier undda einzelne Spuhren des ächten poc-tischen Geistes, wie z. B. in den klei-nen Arbeiten eines Ä.ogau und einesrvernike erschienen, so bedckte dochauf der einen Seite ein falscher undabcntheuerlicher, auf der andern einpöbelhafter Geschmak die ganze deut-sche Litteratur.
Erst gegen die Mitte des itzigenJahrhunderts drang das Genie eini-ger wahrhaftig schönen und starkenGeister durch die Dike der Finster-niß hindurch, und zeigte Deutschlandin vortreflichen Proben, sowol dashelle Licht dcr Critik, als den wah-ren Geist der Dichtkunst. Boviner,Haller, Hagedorn sind die ersten ge-wesen, die den Schimpf der Barba-rey, in Absicht aufdie Dichtkunst, vonDeutschland weggenommen. Nunhaben wir seit dreyßig Jahren man-chen schönen Geist, manchen ange-nehmen, auch manchen siarkdenken-dew Dichter unter uns gesehen; wirhaben von einheimischen DichternProben, daß der Geist, der den Ho-mer, Pindar und Horaz belebt hat,unter dein deutschen Himmel nichtfremd fey. Alles scheinet uns gegen-wärtig