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he, auf welcher sie allen Künstenvorzuziehen ist. Als aber mit derFreyhcit auch die großen Empfin-dungen der bürgerlichen Tugend un-terdrükt worden, mußte nochwcudigauch die Dichtkunst ihre beste Kraftverlieren. Es war nun nicht mehrdarum zu thun, die Menschen ge-sittet und tugendhaft zu machen.Durch die Ucppigkeit der Hofe unterden Nachfolgern Alexanders, schweif-te man schon über die natürlichenSitten hinaus, und Tugend wurdeunnütze oder gar schädlich. Die Re-genten, vornehmlich die Ptolemaevin Aegypten, beruften die witzigstenKopfe an ihre Hüft, nicht mehr wieehemals, als Barden, auch nichtals Philosophen und Rathgeber, fon-dern blos alsPersonen von angeneh-men Talenten, die man zu gutenGesellschaftern brauchen konnte. Die-ses zeugte ein neues Geschlecht derDichter, die nicht blos aus Tempe-rament, wie Anakreon, noch ausedler Ruhmbegierde, wie Sophoklesund seine Zcirverwandten, sondernaus Mode, oder den Großen zu ge-fallen, oder durch die niedrigere Gat-tung des Ehrgeizes, die man Ruhm-sucht nennt, gereizt, die Kräfte ih-res Genies an den verschiedenenDichtungsarten versuchten. Unterdiese gehören Tallimachug, Tbeokci-tn-z, Apolloniuti und viele andre,,deren Schriften zum Theil noch vor-handen sind. Diese waren alsoSchriftsteller von der Art, wie sienoch itzt Mode sind, und suchten alssolche, nicht erwa ihren Zeitver-wandten nützlich zn seyn, sonderndurch ihre Talente berühmt zu wer-den; und mit ihnen fieng das silber-ne Zeitalter der Dichtkunst an.
Man muß gestehen, daß sie, obsie gleich nur ausNachahmung Dich-ter waren, die Art der wahren Ori-ginaldichter sebr gut nachgeahmt ha-ben. Sie stehen deßwegen unmittel-bar nach den besten Originaldichtern,
Erster Theil.
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und können als Muster für dieNeuern angesehen werden. Abernach ihnen kam die griechische Dicht-kunst allmählig in Verfall, und sankimmer tiefer, wiewol sie noch bis indie Zeiten der romischen Kayser be-trachtliche Reste ihrer ehemaligenSchönheiten behalten hat.
Es Ware für dieses Werk zu weit-läustig, die verschiedenen Zeiten derDichtkunst andrer Volker aufzusu-chen. Ihr Ursprung und ihre ver-schiedenen Schiksale sind, da sie vondem Genie der Menschen abhängen,das im Grund immer dasselbe bleibt,ohugefthr überall cinerley. Nur dieverschiedenen Gestalten der deutschenDichtkunst dürfen hier nicht ganzübergangen werden.
Man weiß zuverläßig genug, daßdie alten Deutschen ihre Barden ge-habt, obgleich itzt keine Spuhr vonihren Gesängen mehr übrig ist. DieGesänge VstiaiitZ, eines alten cale-donischen Barden, von denen wirnicht ohne einiges Recht auf unsreBarden schließen können, lassen unsvcrmuthen, daß es den deutschenBardengesängen weder an dem Feuer,wodurch die Heldengedichte sich derHerzen bemächtigen, noch auch beyandern Gelegenheiten an Große undSchönheit sittlicher Empfindungengefehlt habe. Aber freylich war ihreSprache weder so biegsam, noch soreich, noch so wolklingend, als dieSprache des Volkes, dem die Naturvor allen andern Volkern die Feinheitdes Geschmaks und Anmuthigkeit inden Empfindungen in so vollemMaaße verliehen hat. So weit dasgriechische Clima an Lieblichkeit das,so unter einem weit nördlichem Him-mel liegt, übertrifft, so weit magHomers Sprache und Einbildnngs.kraft die übertreffen haben, die inden deutschen Bardettgesängen vor-gekommen. Man sieht an den äl-testen Ucberblcibseln der deutschenSprache noch gar wenig von Wol-
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