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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
622
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Starke bekommt, wird dem Zufallüberlassen. Wol dem Dichter, derauch unberufen, durch das himm-lische Feuer, das die Muse in feinerSeele angezündet hat, unfern Geisterleuchtet und unser Herz erwärmt,daß wir für jedes Schone und Guteempfindsam werden; der durch seinereizende Gesänge heilsame Wahrhei-ten und liebenswürdige Empfindun-gen würksam macht.

Der Ursprung der Dichtkunst istunmittelbar in der Natur des Men-scheu zu suchen. Jedes Volk, dassich zu irgend einer Cultur der Ver-nunft und der Empfindungen her-auf zu schwingen gewußt, hat feineDichter gehabt, die keinen andernBeruf, keine andre Veranlassungengehabt, was sie stärker^ als andregedacht und empfunden, unter sinn-lichen Bildern und in harmonischenReden ihnen vorzustellen, als die Be-gierde, die jede edle Seele fühlt, an-dern das Gute, davon sie durch-drungen ist, mitzutheilen. OhneZweifel sind die ersten Dichter jederNation Menschen von großerm Ee-'nie und wärmcrn Empfindun-gen, als andre, gewesen; Menschen,die in ihrem Verstand Wahrheitenund in ihrem Herzen Empfindungenentdeket, deren Wichtigkeit sie leb-haft gefühlt, und aus Liebe für ihreMitbürger auszubreiten gesucht ha-ben. Man hat auch in den Ge-schichten der Volker, ob sie gleich niebis auf den Zeitpunkt, da Vernunftund Empfindung sich zu cntwikelnangefangen haben, heraufsteigen,Spuren, daß die ältesten Dichterverschiedener Nationen Lebensregelnund Maximen, die sie cntdekt undderen Wichtigkeit sie lebhast gefühlthaben, dem Volke zur Lehre in wol-klingenden Sätzen vorgetragen.

So bald dieser erste Keim derDichtkunst die Menschen auf die Mit-tel, nützliche Wahrheiten durch ei-nen angenehmen Vortrag auszubrei-

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teu, aufmerksam gemacht hatte, ent-dekten sie auch, daß außer dem gutabgemessenen Fall der Worte, diegute Einkleidung, der feurige Aus-druk der Gedanken, und lebhafteBilder, eine ähnliche Würkung thun,und so wurde nach und nach diepoetische Sprache entdeket nnd gebil-det. Vermuthlich sind die ersten poe-tischen Versuche überall blos cinzeleVerse, wie unsre meiste Sprüchwor-ter, oder kurze aus zwei) oder drei)Versen bestehende Sätze gewesen.Als die Kunst zunahm, erfand manMittel, durch Allegorien und Fabelndas Volk zu lehren; Gesetze und waszur Religion geHärte, wurden in dieseneue Sprache eingekleidet, und manhorte bald Lieder den patriotischenMuch zu stärken. Die edelsten See-len von lebhaftem Genie wurden,blos durch die Musen ermuntert,Lehrer und Anführer ihrer Mitbür-ger, und so wurde die Dichtkunstzur Lehrerin und Führerin derMenschen. Manche Natiom er-kannte den Nutzen dieser Kunst aufdie Gcmüther zu würkcn so leb-haft, daß sie die glüklichen Men-schen, die sie besaßen, mit bcson«dern Vorzügen belohnten; und sokam die Ordnung der Propheten oderBarden auf.

.Die wahre Geschichte der Dicht-kunst nur von einem einzigen Volke,wäre ohne Zweifel zugleich die Ge-schichte dieser Kunst bey jeder andernNation, und gewiß ein wichtigerTheil der allgemeinen Geschichte desmenschlichen Genies: aber sie fehltüberall. Am meisten weiß man vondieser Geschichte, in so fern sie dieGriechen betrifft. Man kann steinvier Hauptzeiten eiutheilen, nacheben so viel Gestalten, in denen siesich gezeiget hat. Die erste Zeit, vonwelcher alle Nachrichten fehlen, istdie, darinn sie angefangen hat aufzu-keimen, da ihre Werke Sittensprü-che, oder auch sehr kurze Aeußerun-

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