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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
621
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D i ch

übergegangen, blos durch eine glnk-lichc Wendung, selbst nur durch denTon der Worte, in denen sie unswieder vorkommen, die Kraft gewin-nen, sich der ganzen Seele zu bemäch-tigen. Lieder, die nichts enthalten,als was man schon tausendmal ohneKraft gedacht und empfunden hat,thun oft eine erstaunliche Würkung*),blos weil sie den Ton getroffen ha-ben, der alle Sayten der Seele inBewegung bringt. Keine Ueberle.gung, keine Kunst ist vermögend, unsdie Vorstellungen an die Hand zu ge-ben, die in jedem besondern Fall indem Gcmüthe das bewürben, waswir zu bewürben wünschen. Aber derDichter, dessen tiefkühlendes Herz itztvon einem Gegenstand durchdrungenist, äußert seinen Gcmüthszusiandauf eine Weise, die uns in dieselbeEmpfindung setzet. Fühlt er itzt selbsteinen unüberwindlichen Much, soflößt er auch uns ihn ein; ist er vonharten Schlägen des Schiksals ge-troffen standhast, so werden wirs mitihm; fühlet er warme Empfindun-gen der Nechtschaffenheit, so wärmeter auch unsrc Herzen mit derselbenGluth; sehen wir ihn mit der freu-digsten Erwartung dem Tod entge-gen gehen, so erlöscht auch in uns dieLiebe zum Leben. Also kann die Poe-sie jede Triebfeder der Seele inWürk-samkeit setzen, und mit zauberischerKraft über die Herzen der Menschenherrschen. Diese Würkung hat sienicht nur denn, wenn sie von feinerKunst und tiefforschender Critik un-terstützt wird: blos Natur und Ge-nie sind dazu schon hinlänglich. DieDichter scheinen noch immer die größ-ten zu seyn, die die Natur zu Dich-tern gemacht, ehe die Kunst deinGenie sich zur Gehülfin angcbothenhat 5*).

') S. Lied.

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D i ch 6s i

Eine so wichtige Kunst verdiente inder genauesten Verbindung mit Reli-gion und Politik zu stehen. Diemenschliche Natur ist großer Dingefähig, obgleich der Mensch seltengroße Dinge thut. Die Dichtkunst,von Religion und guter Politik ge-leitet, kann das Große, das in ihmliegt, würksam machen. Wenn nachder Meinung eines der größten Phi-losophen alle Künste unter der Auf-sicht und den Befehlen der Politikstehen sollten *), so würde die Dicht-kunst mit ihrer Schwester der Bered-samkeit, als die wichtigsten, vorzüg-lich die Aufmerksamkeit der Gesetzge-ber verdienen. Dieses ist auch inden ehemaligen Zeiten, und ehe diefalsche Politik aufgekommen, die mei-sten Gesetze zum einseitigen Vorthcilder Regenten zu lenken, vielfältig ge-schehen. Die jüdischen Könige hat-ten Propheten, eigentliche National,dichter an ihrer Seite, und mancheandre Könige oder Gesetzgeber warenentweder selbst Dichter, oder hattenzum Dienst der Politik Dichter beysich. Man weiß, was für einenansehnlichen Rang bey den verschie-denen Celtischen Völkern die Bardengehabt haben. Aber itzt bemühetman sich mehr diejenigen Künste zuermuntern, und in ihren verschiede-nen Würkungcn zu lenken, die einemVolke das Uebergewicht der Machtund des Reichthums zu geben schei-nen. Die göttliche Kunst die Gcmü-thcr der Menschen zu lenken, denVerstand mit Vorstellungen und dasHerz mit Empfindungen zu erfüllen,aus deren vereinigter Würkung dieSeele ihre wahre Gesundheit und

Stärke

!s degute lle la poelie pgrkgire kelonI'src: comme il ke voick es villsnellesc!c Lslconznc et gux cdgnlons, czu'onnous >gppc»cs cies I0alions, <zui n'onrcoznoiillmce U'iucune lciericc, uiineine li'eericure. Ktoncggne. l.ib. tClisp. 54.

*) S.chriltor. Lrliicvt'. >-.I. c.