Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
612
Einzelbild herunterladen
 

Si» Dich

Bilder vorzuwählen; Vorstellungen,die uns keine Pflicht erleichtern, mitReiz zu bekleiden; den wollen wirzwar als einen guten Gesellschafterfreundschaftlich unter uns beherber-gen, und wie eine Nachtigall, derenGesang uns belustiget, ernähren:aber unser Vertrauter soll er nie wer-den. Wir werden seinen Gesang niitVergnügen hören, aber einander insOhr sagen, daß es kaum der MüheWerth ist, eine so außerordentlicheSprache anzunehmen, in Entzükung,undsso gar in eine Art Raserei) zugerathcn, blos um andre zu ergö-tzen; wir werden eine Vergleichungzwischen ihm und dem Solon anstel-len, der vor seinen Bürgern auchals ein Schwärmer in einer ArtRaserey erscheinet, und ihnen eineElegie vorsingt, dabey aber die großeAbsicht hat und auch erreicht, ihnenheilsame und sehr wichtige Entschlüs-se beizubringen *). Wir wollen ihinsagen, daß auch Werke von großemund ernsthaftem Inhalt, von derSeite der Annehmlichkeit betrachtet,große Vorzüge haben können; daßder lehrreiche-Homer,

<Z,ui> gulä lir pulcllrum, gulll rurpe,

guiel urile, guiei non,?Ieniu5 sc meliu5 Lbrylippo ecLi'sncoi-e llicic

reizende Annehmlichkeiten zur Ergö-tzung der Einbildungskraft habe f).

Wenn wir blos angcnehmenDich-tern einen ehrenhaften Platz unterwolgesitteten und verstandigen Men-schen gerne gönnen; so erstrekt sichdieses nicht auf diejenigen, die uns

*) S. Plutarch im Solon.

Nor. Lpilt. i.s) NZ xrsnel' vbliZs^ieme I'gm'mv mios gusl posrs, s gnel eiipimore, ilgusle cvl srre tu» mi conäuce s rim»rnirsr, ce»ne con xli vcctii propri, I»ksmots cscilirs >Zi rl'iojs, le proclsTsset'^cliille, o el'Lncs, e tenri mar»»vizlioli ^iri el'Olills rsminzo teil mare.^tursrori gell» xerkscr» xvelis i.ib. l.csx. 14.

Di ch

mit eben so uilwitzig als unsittlichenGesängen, gleich Fröschen, die ausSümpfen quaxen, beschwerlich fal-len. Die Fahl solcher Undichter istso groß, daß sie die Poesie über-haupt in die Gefahr setzen, als et-was verächtliches angesehen zu wer-den; sie sind es, die der edelsten al-ler edeln Künste die schweren Vor-würfe zugezogen haben, darüberGpin klagt, und die noch itzt diesegöttliche Kunst drüken. Der Vaterder deutschen Dichter sagt, daß ei-nigeaus der Poeterey, ich weißnicht, was für ein geringes Wesenmachen, und sie wo nicht gar ver-werfen , doch nicht sonderlich achten,auch wo! vorgeben, man wisse einenPoeten in öffentlichen Acmtern we-nig, oder gar nicht zu gebrauchen,weil er sich in dieser angenehmenThorheit und ruhigen Wollust sovertiefe, daß er die andern Künsteund Wissenschaften, von welchenman rechten Nutz und Ehre schöpfenkann, gemeiniglich hintanfetze. Jawenn sie einen gar verächtlich habenwollen, so nennen sie ihn einen Poe-ten: WicdemLrasmoRoteroSamovon groben Leuten geschehen - - -Sie wissen ferner viel von ihrenLügen, ärgerlichen Schriften undLeben zu sagen, und erinnern, essey keiner ein guter Poet, er müssedenn zugleich ein böser Menschseyn H." Diese Vorwürfe scheineneinen groben Unverstand, oder toll-kühne

*), Opitz von der deutschen Poeterey imIII. Ca». Die Klagen, die der Je-suit Slrada über den Mißbrauch derPoesie zu seiner Zeit lühre:, sind auchikt nicht einzeilig. ^eZsc» elekormi» sctoeela esmiiniim porcsnca noltrs lisscseras vieler; »cleo poltrsmi czuiezuspascai um luciilemi lluunclisuciiimguseis t'sece, eic lsciÄuni poerse «lim no-meee riniiäe jom a bonis Wurps cur,peciricle eznzli ironslto inzemiogue vi»ro poeczin lzlucsri convicic» sc ilelio»neltsmemo lir. Zcrzela vrolull eVc»lt.I..l. prol. z.