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kühne Schmähsucht zum Grund zuhaben, sobald man sich erinnert, daß^omcr, Sophokles, Euripides undManner von dieser Art, Dichtergewesen sind; aber was für einegroße Liste von alten und neuen Dich-tern konnte man nicht geben, auf diediese Beschuldigung mit Recht kanngelegt werden? Man kann sowol zurBeschimpfung der schlechten, als zurEhrenrettung der guten Dichter,nichts nachdrüklichers anführen, alsdie folgenden Worte eines der feine-sien Kenner *). „Ich muß gestehen,"sagt er, „daß schwerlich eine abgc-schmaktere Gattung Menschen irgendwo zu finden ist, als die, denenman in den neuer» Zeiten, wegeneiniger Fertigkeit woltöncnd zu spre-chen, wegen eines unüberlegten ab-gcschmakten Witzes, und einiger Ein-bildungskraft, den Namen der Dich-ter gegeben hat. Der Mann, derden Namen eines Dichters wahrhaf-tig und in dem eigentlichen Sinnverdienet, der, als ein wahrer Künst-ler oder Baumeister in dieser Art, sowol Menschen als Sitten schildern,der einer Handlung ihre gehörigeForm und ihre Verhaltnisse gebenkann, ist, wo ich nicht irre, einganz andres Geschöpf. Denn einsolcher Dichter ist in der That einandrer Schöpfer, ein wahrer Pro-metheus unter Jupiter. Gleich je-nem obersten Künstler oder der allge-meinen bildenden Natur, formet erein Games, wol zusammenhangend,und in sich selbst wol abgemessen,mit richtiger Anordnung und Zusam-mcnfügung seiner Theile. Er bezeich-net das Gebiets) jeder Leidenschaft,und kennet genau jeder derselben Tonund Maaß, wodurch er sie mit Rich-tigkeit schildert; er zeichnet das Er-habene der Empfindungen und derHandlung, und unterscheidet dasSchöne von dem Häßlichen, das
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Liebenswürdige von dem Verächt-lichen. Der sittliche Künstler, derauf diese Weise dem Schöpfer nach-ahmen kann, und eine solche Kennt,niß der innern Gestalt und des Bauesseiner Mitgcschöpfe hat, wird, wieich denke, schwerlich sich selbst miß-kenncn, oder über diejenigen Ver-haltnisse unwissend seyn, die dieHar-moinc der Seele ausmachen; denneine niedertrachtige Sinnesart machtdie eigentliche Dissonanz und Dis-proportion ans. Und obgleichnichtswürdige Menschen auch ihrenhohen Ton und natürliche Fähigkeitzu handeln haben können: so ist esdoch nicht möglich, daß richtige Ur-theilskraft und sittliches Gefühl sichda finden sollten, wo Harmonie undRedlichkeit mangeln."
Es ist zu wünschen, daß diejeni-gen, die das Richteramt im Reichdes Gcschniaks auf sich genommenhaben, die Dichter öfterer und ernst-licher, als sie es thun, an die Würdeihres Berufs erinnern. Gar zu oftloben sie den feinen Witz, den fließen-den und angenehmen Ausdruk, ohnedarauf zu sehen, ob diese, an sichzwar angenehme und nvthige Theileder poetischen Kunst, auf eine Ma-terie, angewendet worden, die Men-schen, denen es nicht blos um ange-nehmen Zeitvertreib, oder um unbe-stimmte und leicht wieder vorüber-gehende Aufwallungen der Empfin-dung zu thun ist, interessant seynkönnen. Es gehört wahrlich vieldazu, dem feinestcn und verständig-sten Theil einer Nation etwas zusa-gen, das auf seine Art zu denken undzu handeln vortheilhaften Einflußhabe. Der Dichter, der sich einessolchen Erfolges schmeicheln will,muß nothwendig über Menschen,Sitten, Handlungen und Geschäfte,entweder scharfer und richtiger ge-dacht haben, als die, für welche erschreibt; oder er muß wenigstens,wenn er sie darinn nicht übertrifft,
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