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und Lassen angeben, die nützlichstenund zugleich die wichtigsten. Eineblos speculative Kenntniß dieserWahrheiten ist van geringem Nu-tzen; sie müssen dergestalt mit demsinnlichen Gefühl verbunden werden,daß wir die Widersprüche gegen die-selben nicht als Fehler des Urtheilsansehen, sondern als Zerrüttungender Empfindungen fühlen. Nurdie Wahrheiten, die man so empfin-det, haben Einfluß ausunsrc Hand-lungen.
Also muß die Wahrheit, die derLeitfaden unscrs sittlichen Denkensund Handelns scyn soll, sich in uns,als eine Folge der Empfindungen äus-sern. Dieses aber geschieht nur als-denn, wenn wir lebhafte und rich-tige Gcmähldc, von den sittlichenVerhaltnissen der Menschen, und denmannigfaltigen Auftritten des Lebensvor Augen haben, und die darinnliegenden allgemeinen Wahrheiten,als in Beyspiclen anschauend erken-nen. Nun thun Gcschichtschrciber,Redner und Dichter, wenn sie nur,wie ihr Beruf es erfodert, wahreWeisen sind, nichts anders, als daßsie uns solche Gcmählde vor Augenlegen. Sollten sie aber dabcy ver-säumen, uns auch, wenn wir starkgenug gerührt sind, die Moral der-selben, oder die darinn liegenden all-gemeinen Wahrheiten, in kurzen undlebhaften Denksprüchcn zugleich ein-zuprägen? Wie konnten sie besser, alsauf diese Weise das seyn, wofür sievon den ältesten Zeiten her gehaltenworden, Lehrer der Menschen?
Es ist eine Erfahrung, die jederMensch von Nachdenken oft muß ge-macht haben, daß manche Wahrheituns lange bekannt gewesen ist, ohnemerklichen Eindruk auf uns zu ma-chen, bis wir in einem besonder» Falldieselbe so fühlen, daß sie auf be-ständig, als eine immer würkcndeKraft, in der Seele liegen bleibet.Dieses ist der Fall der wichtigen
Den Kai
Denksprüche, wenn sie am rechtenOrt angebracht werden, und wenndas Gemahlde, dem sie gleichsamzur Aufschrift dienen, vorher rechtlebhaft gezeichnet worden.
Man würde sich falschlich einbil-den, daß es jedem Leser konnte über-lassen werden» selbst die in den Ge-mählden liegenden Lehren heraus zuziehen; denn, nicht zu gedenken,daß nicht jeder Leser dieses zu thunim Stande ist, so dienet auch hier,wie in andern Dingen, das Bcy-spiel zu einer weit lebhaften, Vor-stellung. Wir sind bey lächerlichenund traurigen Auftritten, durch das,was wir sehen und hören, vollkom-men zum Lachen oder Weinen vorbe-reitet, und dennoch lachen oder wei-nen wir nicht eher, bis wir sehen,daß andre es thun, und uns gleich-sam den Ton dazu angeben; und ge-rade so geht es auch mit der lebhaf-ten Empfindung der Wahrheit, dieebenfalls durch das Beispiel sehr ver-stärkt wird.
Man kann also die Denksprüchemit Grund als sehr wesentliche Voll-kommenheiten der Werke redenderKünste ansehen. Wenn in den älte-sten Zeiten der Philosophie der denNamen eines Weisen verdiente, dereinige von ihm gemachteBeobachtun-gen über das sittliche Leben der Men-schen, in einen kurzen Denkspruchfaßte, so wie die bekannten Sprücheder sogenannten sieben Weisen sind,wie viel mehr wird der Dichter oderRedner diesen Namen durch wichtigeDenksprüche verdienen können, daer uns zugleich das Gemählde, andem wir ihre Wahrheit auf das leb-hafteste fühlen, mit lebendigen Far-ben vorzeichnet? Dadurch hatstüu-ripises verdient, unter den Philoso-phen, neben den gottlichen Sokratesgestellt zu werden.
Es sind zwar nicht alle Wahrhei-ten gleich wichtig, doch ist jede, wennsie nur vollkommen richtig und be-
Pp ; stimmt