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Ursachen dieses Mangels nicht sehr hand-greiflich in ver Verschiedenheit der Ver-fassungen: so würde doch der, durch Ei-telkeit und Gelbsucht verdorbene, klein-liche, Geist der mehrestcn ncucrn Völker,diese Erscheinung zur Gnüge erklären.Der größte Theil derselben ist nicht ge-macht, weder welche zu setzen, noch wel-che zu haben.
Denkspruch.
(Redende Künste.)
Ein kurzer in der Rede beylaufig an-gebrachter Satz, der eine wichtigeallgemeine Wahrheit enthalt. Die-lenigcn, denen lange Erfahrung undein scharfes Nachdenken große Kennt-niß der Welt und der Menschen ge-geben hat, pflegen jede vorkommen-de Sache gegen die ihnen beywoh-nendcn allgemeinen Begriffe und Ur-thcilc, als gegen einen Maaßstab zuhalten, um dadurch entweder ihre Be-griffe zu berichtigen, oder das Beson-dere in einen allgemeinen Gesichts-punkt zu bringen; und daher entste-hen in ihren Reden diese allgemeineAnmerkungen, davon diejenigen, diewichtig genug sind, in beständigemAndenken behalten zu werden, Dcnk-sprüche gencnnct werden. Grestesfindet bey seiner Zurükkunft nachMycene seine Schwester an einen ar-men Landmann verhcyrathct, der sichaber gegen seine vornehme Gemah-lin als ein großmüthigcr Mensch auf-führet. Der Sohn des Agamemnons,von einem so edlen Verfahren gerührt,halt dieses besondere Beyspicl gegenein allgemeines Vorurtheil, und brichtdabey in diese Worte aus: Xvennwerden Sock Sie Menschen klug ge-nug werden, das Vorurtheil abzu-legen, den Adel der Seele ans Semausterlichen zubenrtheilcn»)? Aufdiese Art entstehen die Dcnksprüche,indem man das Besondere, dasman gegenwärtig vor sich hat, ge-
*) Lui ip. LIech's v. Z84 ff.
Den
gen das Allgemeine halt, das in denBegriffen und Urtheilen der Men-schen liegt.
Man hat zu allen Zeiten die Denk-sprüche als einen wichtigen Theil derredenden Künste angesehen, ob siegleich auch oft, wegen des übertrie-benen Gebrauchs» in Mißcredit ge-kommen sind. Suctonius lobt de»Augustus, daß er den kindischenGebrauch der Denkspruche in sei-ner Schreibart vermieden habeEine Gattung der asiatischen Schreib-art, die bey den strengsten Kunstl ich-tern eben nicht im besten Ansehen ste-het, unterscheidet sich durch einenUeberfluß solcher Denksprüche, dieaber in dieser Art mehr witzig undzierlich, als wichtig und groß wa-ren "). Daß die Sache könne über-trieben werden, und daß gemeine,erzwungene, blos witzige Dcnksprü-che, Fleken derRede und keine Schön-heiten seycn, laßt sich gar leicht be-greifen. Allein dieses benimmt derWichtigkeit der Sache nichts, undkann uns nicht hindern, über denNutzen und den Gebrauch derselbeneinige Anmerkungen zu machen.
D>e Hauptabsicht der schönen Kün-ste geht aufErwckung lebhafter Vor-stellungen, die dauerhafte und zu-gleich nützliche Eindrüke auf die Gc-müther der Menschen machen, lln-.ter diesen Vorstellungen sind ohneZweifel diejenigen Hauptwahrheiten,die uns auf der einen Seite diewahren moralischen Verhaltnisse desMenschen richtig und deutlich ab-zeichnen, ans der andern Seite dierichtigsten Regeln für unser Thun
und
») (Zcnuz eloczuenili leerirus elt clo-ß»r>s, viczkis tcnrenrisrum iriepiiis.0Ä. c 86.
**) ^üsciemn (Zenns) i>6r>Ieicenrisc ms-xis gliam seneÄuri conccNiim. t^enc-ig suitiM Uno iunr - »nun» /e«r-»r-o./»m er ül'xmnm, senrcnriis, ncin rzniZiavibu? er ieveris, qrigm concirmizer venuliis. Licceo fle Lisi. Oesror«ap. ?.