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leuchtet, daß einige Theile hell, an-dre dunkel sind; in seinem Werk mußer auf eine jede Stelle das Helle undDunkle besonders den Farben einver-leiben; er sieht alles erhoben und kör-perlich, und er muß im Flachen dasKörperliche darstellen. Der Copisthingegen hat überall schon ein Werkvon eben der Beschaffenheit, wie dasseinige ist, vor sich, und hat keine vonden Verwandlungen nöthig, wodurchder Originalmeistcr sein Werk der Na-tur ahnlich macht. Sein einzigesNachdenken ist aufdas gerichtet, wasein andrer ihm vorgcdacht hat.
Hieraus folgt erstlich, daß es un-endlich leichter ist, eine gurc Copey,als ein gutes Original zu machen.In der That findet man, daß oftganz mittelmaßige Künstler sehr gutcopircn. Zwestens folget daraus,daß die Copey immer von geringererSchönheit, als das Original sey,weil der Copist, der in einem ganzandern Geist, als sein Vorgängerarbeitet, unmöglich so denken kann,wie jener gedacht hat. Der größteUnterschied muß sich darum zeigen,daß in dem Original mehr Frcyheitist, weil alles mit Gewißheit bear-beitet worden, und ans der Ouellegeflossen ist; da der Copist seine Ge-danken nach den Gedanken des an-dern hat zwingen müssen. DerOri-ginalmeisier ist bisweilen zufalligerWeise aufcin Mittel gefallen, das derCopist unmöglich crrathen kann; erwählt ein anderes und die Würkungmuß auch etwas verschiedenes seyn.Jener stellt seine eigene Erfindungdar, sein Geist ist wahrender Arbeitthätiger, seine Einbildungskraft er-hitzter; daraus aber entstehet einefreycre Ausübung: dieser bleibt kalt,und muß kalt bleiben, um nichts zuübersehen, und dadurch wird alleslangsamer und gekünstelter. Er mußseine eigene Bearbeitung, seine Artden Pinsel zu führen, verleugnen,und eine fremde Art annehmen. Ue-
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ber dem allem ist in jedem schönenWerk der Kunst vieles, das manzwar undeutlich fühlen, aber nicmaldeutlich beschreiben oder denken kann,das mehr vom Geschmak des Künst-lers, oder von einer glüklichen Hand,als von deutlicher Erkenntniß her-kommt. Dieses kann kein Copist er-reichen, weil er es nicht deutlich er-kennen kann. Diesem zufolge mußvon dem Geist und dem Feuer desOriginals nothwendig in der Copeysehr viel zurüke bleiben. Es giebtin Gemahlden noch Falle, da dieWürkung der Farbe von etwas ver-borgenem herkommt, da eine untenliegende Farbe durch die obere durch-schimmert. Sehr oft kann niemandcrrathen, was unter der oberstenDeke der Farbe liegt, und folglichkann dieselbe Würkung in der Copeynicht erreicht werden.
Daher geschieht es, daß feineKenner sich selten über Copeycn be-trügen, und bald cntdekcn, daß einStük nicht Original sey; wiewolman auch so gute Copeyen hat, daßnur die erfahrensten Kenner sie vonden Originalen zu unterscheiden wis-sen. Die Gewinnsucht derer, wel-che aus der Kunst ein Gewerbe ma-chen, hat eine unzahlige Menge Co-peycn hervorgebracht, die statt derOriginale verkauft werden. Liebha-ber der Kunstsachen, die selbst nichtfeine Kenner sind, werden taglich da-mit betrogen. Bey kostbaren Ge-ntahlden braucht man die Vorsichtig-keit, sie nicht eher für Originale an-zunehmen, bis man von einigen dererfahrensten Kenner gültige Zeugnissedarüber hat.
Daß die Copeyen der Werke gros-ser Meister insgemein sehr weit hin-ter den Originalen zurükbleibcn, be-rechtiget die abergläubische Verach-tung, die einige Liebhaber für alleCopeyen haben, gar nicht. Esgiebt Leute, die ein ganz schlechtes,oder durch die Zeit verdorbenes Ori-
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