EonContrapunkt.
(Musik.)
Scheutet nach seinem Ursprung, dieKunst, zu einem gegebenen einstimmi-gen Choralgesang, noch eine odermehrere Stimmen zu verfertigen.Weil die altern Tonsetzer sich anstattder Noten, die itzt gebrauchlich sind,bloßer Punkte zuBezeichnung der To-ne bedienten, so wurde ein einstim-miger Gesang durch eine ReyhePunkte, auf verschiedene Linien ge-setzt, ausgedrillt: um also noch eineStimme dazu zu setzen, mußte gegendiese Reyhe noch eine andre, und al-so gegen jeden Punkt noch einer ge-setzt werden.
'Daher ist es gekommen, daß mandurch das Wort Contrapunkt auchdas Seyen selbst, oder die Kunst desSatzes verstanden hat. DiejenigenBücher also, welche die Regeln desContrapunkts erklaren, sind eigent-liche Anleitungen zu dem reinen Satz,in so fern er blos die Harmonie be-trifft. Dieses geht auf den weitemSinn des Worts.
In einem engern Verstand bedenketes die besondere Art des Satzes, nachwelchem die Stimmen gegen einanderkönnen verwechselt, und ohne Ver-änderung ihres Ganges höher odertiefer gesetzt werden, so daß jeder Tondarinn um eine Octave, Rone, Deci-nie u. s. f. tiefer oder höher gesetztwird. Wenn dieses ohneVcrletzungder Harmonie geschehen soll, so müs-sen gleich anfanglich die Stimmen,in der ersten Anlage nach gewissenRegeln verfertiget seyn. Wofern die-ses nicht geschieht, so kann auch dieVerwechslung der Stimmen nichtstatt haben.
Der Contrapunkt im weitern Sinn,Key dem auf keine Verwechslunggesehen worden, wird auch der ge-meine oder der einsacke Contra-punkt genennt; der andre, dessenStimmen jur Verwechslung einge^
Eon 5^4
richtet sind, wird der doopelte oderüberhaupt der vielfacke Contra-punkt gcneunt; je nachdem zwei),drey oder mehr Stimmen, zur Ver-wechslung geschikt sind.
Auch der einfache Contrapunkt istzwey- drey - oder mehrstimmig, undso, daß entweder in allen Stimmendie Noten von einerlei) Gellung sind,oder daß auf jede Note der gegebenenHauptsiimme in den andern Sum-men zwey oder vier Noten stehenn. s. f. Er ist entweder ganz ftey,in welchem Falle blos darauf gese-hen wird, daß die Stimmen einereine Harmonie gegen einander ha-ben; oder an gewisse Regeln ge-bunden. Diese Regeln befehlen ent-weder, daß die Stimme des Contra-punkrs die Hauptsiimme mit mehroder weniger Genauigkeit nachahmensoll; (daher die Nachahmungen unddie Canoues entstehen;) oder daßsie eine der Hauptstimme entgegen-gesetzte Bewegung haben soll*); oderdaß sie sich rükwarts bewegen soll ^).Wer den reinen Satz lernen will,muß dabey anfangen, daß er sichfleißig im einfachen Contrapunkt je-der Art übet. Dazu findet ein An-fanger eine ziemliche vollständige An-weisung, mit einer großen MengeVeyspiele begleitet, in dem Werke,das der ehemalige kaiserliche Capcll-meisier Lux unter dem Titel: Lrs-(lus aci llaruajsum, herausgegebenhat f). Es ist jedem, der in der Mu-sik zu einiger Fertigkeit des reinenSatzes zu gelangen wünschet, anzn-rathen, die Uebungcn eines solchenContrapunkts mit großem Ernst zutreiben.
Weil man gegenwärtig von diesemContrapunkt meistenthcils unter demNamen der Uebungcn in der Compo-Oo 2 sition
") LoncrupunÄ, in mot» cominiio.") l;. N. moru recrozr»cio.s) v>°n. 172;. k. deutsch von L. Mikl«,!ei?z. 174-. 4,