Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
576
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5? 6 Eon

Wenn wir nun, mit diesen Beob-achtungen verschen, die Intervalle inder Ordnung, in welcher die Naturbey Erzeugung des Klanges dieselbenhervorbringt, setzen: nämlich so:i: 2, 2: z, z: q, 4: 5,5: 6,6:7,7: 8, 8: 9, 9: -O u. s. f.so sehen wir, daß die Gränzcn, wo-durch die Consonanzcn von den Dis-sonanzen abgesondert werden, aufdie Intervalle 6: 7 und 7: 8 fallen.Denn 8: 9 ist schon offenbar eine Dis-sonanz, 5:6 aber eine Consonanz.Daß das Ohr der geübtesten Meisterauch noch das Intervall, 6: 7, wel-ches die neuenHarmonisten die ver-minderte Terz nennen, für confo-nirend halten, ist an einem andernOrte gezeigct worden *). Diesem-nach bliebe das Intervall 7: 8, alsdie eigentliche Scheidewand, oderdie Granzscheidung des Gebieths derConsonanzcn und Dissonanzen ülrig,von welchem man schwerlich sagenkonnte, ob es consonirend oder dis-sonirend sey. Hicrinn zeigt sich beyder Harmonie eben die Ungewißheit,wie bey allen, blos durch Gradeunterschiedenen, Eigenschaften derDinge. Wer kann sagen, wo ei-gentlich das Große aufHort und dasKleine anfangt? auf welcher Stufedes Vermögens man aufHort reichzu seyn, oder anfangt arm zu wer-den? auf welchem Punkt des Wol-standcs man aufHort glüklich zuseyn? Darum muß man es nichtseltsam finden, daß in der Musik einIntervall vorkommt, das weder con-sonirend noch dissonirend ist. ZumGlüke kommt dieses zweydeutige In-tervall auf unserer Tonleiter nichtvor.

Wir haben also nnn mit einigerGewißheit cntdekt, wie weit sich dasGcbieth der Consonanzcn ersireke,

') S. im Art Terz, was von der ver-minderten Terz gesagt worden; wieauch, was ini Artikel Dmiklang, vomverminderten Dreyklang gesagt worden.

Co vi

und können als einen Grundsatz an-nehmen, daß die verminderte Terz6:7; die unvollkommenste, und dieOctave 1: 2 die vollkommenste Con-sonanz sey.

Die Intervalle, die großer sindals die Octave, wie i: z, und alleandre, erfodern keine besondere Be-trachtung ; denn da bey dem Ton lseine Octave 2 auch zugleich mit em-pfunden wird, so hat das Intervall1: z eben die Natur, als die Quinte2: z, und so ist auch jedes die Octavübersteigende Intervall demjenigengleich zu schätzen, das entsteht, wennder untere Ton eine Octave hohergenommen wird, z. E. 4: 9 dem In-tervall 8: 9. Wir brauchen also dasGebieth der Confonanzen nicht überdie Octave hinaus zu erweitern, undkönnen mit Sicherheit annehmen,daß alle Consonanzcn zwischen derverminderten Terz ß und der Octa-ve j liegen.

Daraus scheinet nun zu folgen, daßjedes Intervall, das kleiner als dieOctave, aber doch größer als dieverminderte Terz ist, consonirendseyn müsse. Allein dieser Satz be-kommt durch diesen besondcrn Um-stand, daß bey jedem Grundton feineOctave und Quinte mit gehört wird,eine wichtige Einschränkung, auswelcher man begreift, daß die Sep-time, ob sie gleich innerhalb des Gr-bieths der Consonanzcn liegt, disso-nirt. Eigentlich dissonirt sie nichtgegen den Grundton, sondern dessenOctave dissonirt gegen die Septime,mit der sie eine Sccundc macht.Daß also C-lZ, odcr O-Il nichtcon-sonirt, kommt daher, daß mit C zu-gleich a gehört wird, ö-c aber undIl -o kleiner, als 6 : 7 sind. Alsokönnen nur die Intervalle consoni-ren, die, wenn sie größer als 6 :?sind, dem Vcrhaltniß 1 : 2 nicht zunahe kommen.

Damit wir sehen, wie nahe siediesem Vcrhaltniß kommen können,

wolle»