Com
Com 509
schöncrte Darstellung alles desjenigen zubetrachten, was bei) jenen Festen vorgieng.Diesem gemäß wären also auf der Buhnezu Athen nicht bloS Handlungen, welchestch cräugnel hilltcn, sondern gleichsamnur die, bey den gedachten Festen davongemachten Darstellungen, verschönert aus-geführt worden, oder das, künstlich aus-gebildete, von dem Staat aufgenomme-ne, Lrania gleichsam blos die Vorstel-lung einer, chemahlS rvhern Vorstellungdesselben gewesen. Auch sagen die, widerdiese Behauptung gemachten Einwendun-gen der englischen Kunstrichtcr (in Eschcnb.Ucbcrs. a. a. O.) sehr wenig. Wenn eS,z. B. in alten Schriftstellern heißt, daßdas satprische Schauspiel und die Tragö-die ursprünglich aus nichts, als dem Chorbestanden, und keine eigentlichen Schau-spieler gehabt habe: so sieht jeder, daßhier nicht von dem Trauerspiel, und demsatvrischen Schauspiel, als Drama, dieRede seyn könne. Eine Handlung, ohnehandelnde - oder ohne Personen, welchesolche darstellen, läßt sich nicht denken.Zwar war die Schauspiclerkunst, wahr-scheinlicher Weise, ursprünglich nicht so-gleich ein eigenes, besonderes Handwerk;aber wenn auch der Chor selbst, oder viel-mehr ein Theil desselben, anfänglich, dieeigentlichen Schauspieler gemacht, oderdiese zu jenen gehört hätten, und durchnichts Acußeres, als Masken, u.d .M.davon verschieden gewesen, oder das Dra-ma, von einzeln Personen des Chores,wäre gesungen, nicht blos declamirt wor-den : so mußte es doch, wenn es, was es hieß,scvn, und eine Handlung wirtlich dar-stellen sollte, Repräsentanten haben. Fer-ner mag immerhin aus den, von einemHaufen von Menschen abgesungenen, bie-dern das Drama entwickelt worden seyn;wie folgte denn hieraus, daß jener Haufeauch noch, als mitspielende Person, Theildaran behalten mußte? Sogar, wenn,wie es sich nicht zweifeln läßt, wirklicheBegebenheiten der Jnnhalt dieser bieder,und diese zugleich so dramatisch, als mög-lich abgefaßt waren, das heißt, aus Wech-selgesängen bestanden, oder, z. B. wie
der vom Strabo (ftil>. IX. S. 4-;) er-wähnte Päan, wirkliche Nachahmungenvon Vorfällen enthielten: so war zwarder Uebcrgang davon zu dem Drama sehrleicht; und es ist sehr wahrscheinlich, daßder Znnhalt zu den ersten, rohen Versu-chen darin, aus dergleichen biedern ge-nommen, oder jenes durch diese veran-laßt worden ist; allein, wenn hieraus sichergeben sollte, daß eine Begebenheit sichauf der Bühne nicht anders, als mit Ein-mischung derjenigen, welche sie zuvor be-sungen oder abgesungen haben, aufführenließe: so hätte ja in allen, aus den Ho-merischen Gedichten gezogenen Schauspie-len, wenn nicht Homer selbst, doch we-nigstens einer oder mehrere Rhapsodenauftreten müssen. Freplich aber verträgtjene Äepnuag des H. Brown sich nichtdamit, daß der Chor, bei) jedem Stücke,aus andern, oder, bey verschiedenen Stü-cken aus verschiedenen Personen, bald ausbandleuten, bald aus uraucn, bald ausEingeweihten, bald aus Rittern, baldso gar aus allegorischen Wesen, Wolken,Vögeln, u. d. in. so wie, bey demTrauerspiele, aus Personen bestand, wel-che, mehr oder weniger näher, zu demJnnhalle des Stückes gehörten, und daßer, zu Folge der Browuschcn Hypothese,immer nur aus einerlei) Personen hättebestehen, und immer nur jene bicdcrsäu«ger vorstellen können. Das Wahrschein-lichste bleibt also, daß diese Verbindungeines ganzen Hausens von Menschen miteiner Handlung, welche eigentlich von an-dern Menschen ausgeführt wird, aus demZustande der Sitten des Volkes entsprang,bey welchem eine Nachahmung dieser Hand-lung auf der Bühne erschien. Dieses, sowie jedes frühere, und besonders fteyeVolk, lebte gleichsam mehr auf öffentli-chen Plätzen, alS in seinen Häusern. Auchgehen die, von den dramatischen Dichterndesselben dargestellten Handlungen immei:unter srevcm Himmel, und nicht, wieauf unfern Bühnen, innerhalb vier Wän-den , vor, und mußten also auch in derNatur, immer unter einer Menge Zeu-gen vorgehen; »der, wir andern Wor-ten.