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1 (1792) [A - D]
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NM, daß die Gattung, zu der er ge-hört, oder auch das Besondre, wo-durch er von jedem andern seiner Artunterschieden wird, kann erkenntwerden. Demnach ist die genaue Be-merkung des Charakteristischen, einHaupttheil der Kunst. Der Mali-ter muß jedem Gegenstand in allem,was an ihm sichtbar ist, den Cha-rakter seiner Gattung, oder auch,(wie in Portraitcn) den einzeln Cha-rakter, wodurch er sich von allenDingen seiner Art auszeichnet, zugeben wissen, und so muß jeder an-dre Künstler die Charaktere der Din-ge bezeichnen können.

Es gehöret demnach vorzüglich zudein Genie des Künstlers , daß er inGegenständen der Sinnen und derEinbildungskraft, das Charakteri-stische bemerke. Dazu aber wird einüberaus scharfer Veobachumgsgeisterfodert, den man, für sichtbare Din-ge besonders, ein scharfes wähleri-sches Auge nennt. Wie der Mahlcr,sobald er einen Gegenstand recht indas Auge gefaßt hat, sogleich diewesentlichen Züge desselben durch dieZeichnung darstellen kann, so mußjeder Künstler in feiner Art das Un-terscheidende der Sachen schnell fas-sen und ausdruken können. Und indieser Fähigkeit scheinet die Anlagedes Genies für die schönen Künste zubestehen; so daß vielleicht aus derFähigkeit, die Charaktere der Dingezu bemerken, der richtigste Schlußauf des Künstlers Genie könnte ge-macht werden.

Unter den mannigfaltigen Gegen-ständen, welche die schönen Künsteuns vor Augen legen, sind die Cha-raktere denkender Wesen ohne Zwei-fel die wichtigsten; folglich ist derAusdruk, oder die Abbildung sittli-cher Charaktere das wichtigste Ge-schafft der Kunst, und besonders dievorzüglichste Gabe der Dichter. Inden' wichtigsten Dichtungsarten, derEp oxee und dem Drama, sind die

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Charaktere der handelnden Personendie Hauptsache. Wenn sie richtiggezeichnet und wol ausgedrukt sind,so lassen sie uns in das Innere derMenschen hineinschauen, und vcr-statten uns, jede Würkung der äus-sern Gegenstände auf sie, vorher zusehen, die daher entstehenden Em-pfindungen, die Entschließungen, je-de Triebfeder, woraus die Handlun-gen entspringen, genau zu erkennen.Sie sind eigentliche Abbildungen derSeelen, die wahren Gegenstande, da-von die gewählten Ponraite nur dieSchattenbilder sind. Der Dichter,der die Gabe hat, die sittlichen Cha-raftere richtig und lebhaft zu zeich-nen, lehret uns die Menschen rechtkennen, und führet uns dadurch auchzu der Kennmiß unser selbst. Abernoch wichtiger ist die Würkung, wel-che wolgezeiebnete Charaktere auf un-src Scelenkrafte haben. Denn, wiewir uns mit den Traurigen betrüben,so geschieht eine solche Zueignung allerandern Empfindungen, wenn sie leb-haft geschildert sind "). Jede lebhafteVorstellung von dem Gemüthszustandandrer Menschen laßt uns das, wasin ihnen vorgeht, eben so fühlen, alswenn es in uns selbst vorgicnge;dadurch werden die Gedanken undEmpfindungen andrer Menschen ei-nigermaßen Modiflcalionen unsrerSeele; wir werden heftig mit demAchilles, vorsichtig mit dem Ulys-ses, und unerschroken mit demHektor.

Also können die Dichter durch dieCharaktere der Personen, mit unge-meiner Kraft auf die Gemüther wür-fen. Diejenigen, die wir für guthalten, haben den stärksten Reiz aufuns; wir nehmen alle Kräfte zusam-men, um eben so zu empfinden, wiedie Personen, für deren Charakterwir eingenommen sind. Diejenigen,die uns mißfallen, erweken den leb-haften

S. Theilnehmung.