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haften Abscheu, weil eben dadurch,daß wir gleichsam gezwungen wer-den, die Empfindungen derselbenauch in uns zu fühlen, der innereStreit in dem Gemüthc entsteht.
Die vornehmste l^orge des epi-schen und dramatischen Dichters,muß also auf die Charaktere der Per-sonen gerichtet seyn. Dcßwegen kön-nen nur große Kenner der Menschensich an diese Gattungen wagen. Derepische Dichter hat wegen der Men-ge und Verschiedenheit der Begeben-heiten, Vorfalle und Personen, dieseine weitläuftige Handlung ihm andie Hand giebt, Gelegenheit, diepersönlichen Charaktere seiner Haupt-personen ganz zu entwikeln; der dra-matische Dichter hingegen, dessenHandlung nur auf einen sehr be-stimmten Gegenstand eingeschränktist, har vornehmlich einzele Züge inden Charakteren der Menschen, Tu-genden, Laster, Leidenschaften zuschildern: denn es ist selten möglich,in einer so kurzen Zeit, als die ist,auf welche die Handlung des Dramaeingeschränkt wird, lind bei) einereinzigen Gelegenheit, den ganzenCharakter des Menschen kennen zulernen.
Es giebt Menschen, die in ihrenHandlungen, und in ihrer Art zu den-ken, gar keinen bestimmten Charak-ter zeigen, die einigermaßen denWindfahnen gleichen, die für jedeWendung und Stellung gleichgültigfind, und sich also nach allen Gegen-den gleich herumtreiben lassen. Esscheinet, als wenn es solchen Men-schen an eigener innerlicher Kraftfehlte, aus welcher ihre Gedanken,Entschließungen und Handlungenentstehen. Sie warten ganz gleich-gültig auf das, was geschieht, ein-pfangen davon augcnblikliche Cin-drüke, die sich sogleich wieder auslo-schen, wenn die Ursache derselben zuwürkcn aufHort. Mechanische We-sen von dieser Art sind für heu Dich-
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ter unbrauchbar; er sucht diejenigenMenschen aus, in deren Art zu den-ken, zu empfinden, zu handeln, sichetwas merkwürdiges findet; solche,in denen herrschende Triebe, undein cigenthümlicher sich auszeichnen-der Schwung des Geistes oder desHerzens ist, welche Bcstandtheile desCharakters sich bey jeder Gelegenheitauf eine ihnen eigene Art äußern.
Menschen von solchen Charakterenin mancherlei) Umstände und Verbin-dungen gesetzt, sind die Seele derje-nigen Werke der Kunst, die Hand-lungen zum Grund haben, beson-ders des epischen Gedichts. Da-durch kann eine sehr einfache Hand-lung interessant werden, und einenReiz bekommen , den bey dem Man-gel guter Charaktere keine Verwik-lnng, auch keine Mannigfaltigkeitder Begebenheiten und Vorfälle er-setzen kann. Die Wahrheit dieserAnmerkung recht zu fühlen, darfman nur die meisten Trauerspiele derGriechen betrachten, die großtcn-thcils bey einer sehr großen Einfaltdes Plans durch die Charaktere höchstinteressant sind. Die ganze Fabeldes Prometheus vom Aesthvlus,kann in wenig Worten ausgedruktwerden, und dennoch ist dieses Trauer-spiel höchst interessant. Unter denWerken der Neuern geben die em-pfindsamen Reisen Oes Sterne dendeutlichsten Beweis, wie die gemei-ncstcn und alltäglichsten Begebenhei-ten, durch die Charaktere der Per-sonen , im höchsten Grad interessantwerden. Wer für Kinder und fürschwache Köpfe schreibt, der magimmer sein Werk durch tausend selt-same Begebenheiten und Abentheuerunterhaltend zu machen suchen; aberfür Männer müssen die Charaktereden vorzuglichsten Thcil des Werksausmachen. Dieses sey auch demHistoricnmahler gesagt, Will ernicht blos dem Pöbel gefallen, sosuche er den Werth seines WerksFf 4 nicht