B i l
Eie hatten nicht nur vielerlei) Bil-der der Gottheiten, von hieroglyphi-scher Bedeutung, und mancherlei)Bilder, wodurch ihre religiöse Be-griffe sinnlich vorgestellt wurden;auch politische und sittliche Gegen-stände bcschäfftigten die bildendenKünste. Eine Menge historischerBilder aus der ältesten Geschichte ih-rer Stammvater, und nnzähflcheVorstellungen, die sich auf dasSitt-liche in ihrem Charakter und in ih-rer Lebensart beziehen, sind noch itztvorhanden. Die bildenden Künstescheinen überhaupt bei) diesem Volkevon einem so ausgebreiteten Gebrauchgewesen zu seyn, daß selbst die ge-mcincsien Gerarhe, die gewöhnlich-sten zum taglichen Gebrauch dienen-den Gefäße, ein Gepräge davon hat-ten. Was man von Werken der me-chanischen Künste in die Hände be-kam, hatte etwas bildliches an sich,das gewisse religiöse, oder politische,oder sittliche Begriffe erwekte. Aufdiese Weise konnten die bildendenKünste einen unaufhörlichen Einflußauf die Gemüthcr haben. Alleinauch dieses geistreiche Volk scheinetdie wichtigste Art der Kraft in denWerken der bildenden Künste, weniggekeimt zu haben. Ihre Vorstellun-gen harten wenig mehr als hicrogly-phischc Bedeutung. Nur den Grie-chen war es vorbehalten, das Höch-ste in der Kunst zu erreichen. Sieallein scheinen empfunden zu haben,daß nicht nur menschliche, sondernso gar göttliche Eigenschaften demAuge konnten empfindbar gemachtwerden. Also erhob sich die Bild-hauerei) unter den Händen der grie-chischen Künstler nach und nach zudem höchsten Gipfel der Vollkommen-heit, bis sich Phidias getraute, dieHoheit Gottes in erhöhter menschli-cher Bildung auszubrüten. Wie weites den griechischen Künstlern gelun-gen, nicht nur erhabene menschlicheSeelen, sondern so gar höhere Kräfte
B i l 415
sichtbar zu machen, können wir ausverschiedenen übrig gebliebenen Wer-ken der griechischen Kunst abnehmen.Der Gebrauch, den die Griechen vonden bildenden Künsten machten, istder höchste, den man davon machenkann. Denn von allem, was inihrer Götterlehre, in ihrer Geschichteund überhaupt in dein menschlichenCharakter groß ist, suchten sie in ih-ren Mitbürgern eine Empfindung znerweken, indem sie in den Statuender Götter, der Helden und der tu-gendhaften Männer nicht sowol ihrekörperliche Gestalt, als die Größedes Geistes abbildeten. Dieses wardie höchste, wiewol nicht die einzigeBestimmung der Kunst. Gegenstän-den, in denen ihrer Natur nach keinemoralische Kräfte liegen, konnte diebildende Kunst auch keine geben;aber sie gab ihnen, was sie gebenkonnte, Schönheit und Schiklichkeitder Formen.
Die Römer hatten diese Kunst an-fanglich ohne Zweifel von ihren Nach-barn, den Hctruriern, bekommen,und, wie es scheinet, einen maßigenGebrauch davon gemacht, indem sieBilder zur symbolischen Vorstellungihrer Gottheiten, und andre, um dasAndenken ihrer Voreltern und einigerihrer verdienten Männer zu erhalten,aufstellten. Lange hernach aber, dasie erst in den griechischen Colonien,hernach in Griechenland selbst, ihreEroberungen ausgebreitet, lerntensie die Werke der Griechen kcnnen-Es scheinet aber, daß sie dieselbenblos als einen Gegenstand der Pracht,oder höchstens als Monumente derKunst und des Geschmaks und aufdie Weise geliebet haben, wie etwagegenwartig die so genannten Lieb-haber alle Werke der zeichnendenKünste lieben. Der ursprünglicheGebrauch der Bilder wurde aus demGesichte verloren, und man sah siegrößtentheils als Zierrathen an, wo-durch man den öffentlichen Platzen,
den