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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
406
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4°6 Bil

ter wie, alswie, gleichwie, u. d. gl.gebraucht werden. Setzt man sieaber ganz an die Stelle der abgebil-deten Sache, so daß diese gar nichtdabcy gcncnnt wird: so bekommensie insgemein den Namen der Alle-gorie, auch bisweilen der Fabel, derParabel, oder des allegorischen Bil-des, Diejenigen Bilder, die nurbeyläufig, ohne die Vergleichungs-formcln, und so gebraucht werden,daß die Hauptsache ihren eigentli-chen Namen behält, ihre Eigen-schaften oder Wartungen aber durchBilder ausgcdrükt werden, bekom-men den Namen der Metaphern,wie wenn man sagt: Die Jugendverblüht bald.

Die Hauptcigenschaftcn eines Bil-des sind diese: Es muß von bekann-ten Dingen hergenommen werden,die man sich leicht n»d mit großerKlarheit vorstellt; es muß eine ge-naue Aehnlichkeit mit dem Gcgcn-bild haben; diese Aehnlichkeit mußschnell bemerkt werden können, sobald man das ganze Bild gefaßt hat;die Gattung der Dunge, woraus esgenommen ist, muß nichts an sichhaben, das dem Charakter des Ge-gcnbildes entgegen scy. Man siehtohne Mühe die Nothwcndigkcit die-ser Eigenschaften der Bilder ein.

Wegen der letzten Eigenschaft mußman am sorgfältigsten seyn, weilder Mangel derselben sehr widrigeWürkung thun kann. ErnsthafteVorstellungen würden durch römi-sche Bilder, hohe Dinge durch nie-drige, ganz verdorben werden. NurHey scherzhaftem Vortrag ist es nichtyur glaubt, sondern sehr vortheil-hast, diese Regel zn überschreiten,indem das Widersprechende oderN?iSepartize zwischen dem Bild unddem Gegcnbild, eine Hauptqucllc desScherzhaften ist, wie an seinemH>rte gezciget wird,

Die Quellen, woraus die Bildergeschöpft werden, sind mannigfqft

B i l

tig: die leblose Natur; die Kunst-werke; die Sitten dcrThicrc und derMenschen; die Geschichte; die My-thologie; und endlich die Belebunglebloser Dinge: das Mittel aberzur Erfindung ist eine wcitläuftigeKcnntniß dieser Quellen, mit einemscharfen Leobachtungsgeist und leb-haftem Witz verbunden. Wer in Er-findung der Bilder glüklich seyn will,der muß außer sich mit einem ver-weilenden, alles bemerkenden unddurchforschenden Auge Natur undSitten unaufhörlich beobachten: insich selbst aber jeden bis zur Klarheithervorkommenden Begriff, jede auf-keimende Empfindung bemerken, undsich den Eindrükcn derselben eineZeitlang überlassen. Denn dadurchbemerkt man die Aehnlichkeit derDinge. Je größer der Beobach-tuugsgeist des Sichtbaren und Un-sichtbaren ist, desto reicher wirddie Einbildungskraft an Bildern undGemählden, die jede Vorstellung desGeistes und jede Regung des Her-zens zu sichtbaren und fühlbarenGegenständen machen. Denn diesichtbare Welt ist durchaus ein Bildder unsichtbaren, in welcher nichtsliegt und nichts vorgeht, das nichtdurch etwas materielles abgebildetwürde. Es ist das eigentliche Werkder redenden Künste, uns die un-sichtbare Welt durch die sichtbare be-kannter zu machen. Also ist die Er-findung vollkommener Bilder bey-nahe das vornehmste Studium desDichters.

Die unabläßige Beobachtung derNatur und der Sitten, zu welcherBodmer viel nützliche Lehren an dieHand giebt *), ist der eine Weg zurErfindung der Bilder; die Dich-tungskraft, die abgezogenen Begrif-fen einen Körper giebt, die leblose

Dinge

*) Cntische Betrachtungen über die poe-tischen Gcmählde im ijicn und ZtenKapitel.