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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
397
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B ew

der Sache, die uns inVerwnndrungsetzet, zu begreifen. Je verborgenersie sind, desto großer wird die Bc-wundrung, und sie kommt auf denhöchsten Grad, wenn etwas unfernBegriffen widersprechend scheinendesdabey ist. Wenn man mir Herrn-Homo zwey Arten dieser Empfindungunterscheiden, und mit seinem Ueber-setzer ") mit den Namen Vermun-vrung und DcrvunSrmig belegenwill, so würde ich der Empfindung,welche aus einer gegen unsre Vermu-thung sich ereignenden Begebenheitentsteht, den Namen Verwnnbrungbeylegcn, und die Empfindung, wel-che aus Betrachtung einer außeror-dentlichen und unbegreiflichen Kraftentsteht, Bcwundrung nennen. Mankonnte diese einen Affekt des Geistesnennen: denn sie hat mit den Affek-ten dieses gemein, daß sie mit einemlebhaften Bestreben seine Begriffe zuder Größe, die man vor sich sieht,zu erheben verbunden ist. Vermuth-lich har Descarres deßhalben dicBe-wundrung unter die Leidenschaftengezahlt. Xvolf aber hat sie darumdavon ausgeschlossen, weil dieseslebhafte Gefühl mit keiner offenba-ren Zuneigung oder Abneigung ge-gen die bewunderte Cache verbundenist, ob sich gleich etwas dicftm ähn-liches dabey zu zeigen scheinet.

Wie dem aber seyn mag: so istdieses offenbar, daß dieBewundrungeine der lebhaftesten Empfindungensey, die zur Beförderung des Guten,und zur Vermeidung des Bösen für-treffliche Dienste thun kann. Undin so fern ist sie eine von den Em-pfindungen, welche die Künste vor-züglich müssen zu erweken suchen.Sie wird aber eben so wol durch ei-nen hohen Grad des Bösen, als desGuten hervorgebracht. Die außer-ordentliche Bosheit- des Satans bey

*) S. Howes Grundsätze der Critik > Tb.

S .Z4Z. der deutschen Uebcrsetzung von

176z.

Bew Z97

Milton, und Rlopftok, oder gewis-ser Meufchen in den Trauerspielendes Skakefpcar, setzet uns eben sostark in Bcwundrung, als die erha-benen Charaktere der Helden in demGuten. Jenes würkt Abscheu undVerwünschung, dieses Ehrfurcht undBestreben zur Nachahmung des Gu-ten. Dieses alles ist so offenbar undso bekannt, daß es keiner wetternAusführung bedarf.

Wir können also gleich diese Regelfestfetzen, daß der Künstler die Ge-legenheit, uns in Bcwundrung zusetzen, niemal muß ungenutzt vorbcygehen lassen. Die Gelegenheiten zei-gen sich überall, wo große Charak-tere und große Handlungen könnenvorgestellt werden: im epischen Ge-dicht, im Trauerspiel, in der Ode,im historischen Gemahlde, in Abbil-dung cinzcler Personen durch denPinsel oder durch den Meiffel, undin ernsthaften Arten der Musik. Diebesondern Quellen des Wunderbarenhaben wir an einem andern Orte be-schrieben *).

Der Künstler, welcher Vewund-drung erregen will, muß nicht nurdie Quellen des Wunderbaren kennen,er muß selbst groß denken und großfühlen: gemeine Künstler erreichendiesen Grad der Würkung niemal.Wem die Natur die Größe der Seelenicht gegeben hat, der unternehmees nicht, uns in Bcwundrung zu se-tzen. Der, dem in der Natur allesscherzt und lacht, oder dem in denHandlungen der Menschen und inden Begebenheiten, alles eine possier-liche Seite hat; der, der überallWitz und ein feines Spiel der Phan-tasie sucht; wen eine angenehmeBlume oder eine liebliche Gegendmehr rühret, als ein rauschendesWasser oder ein wildes Felsgebürge:alle diese würden sich vergeblich be-mühen, unfre Bcwundrung zu erwe-ken.

S. Wunderbar.