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1 (1792) [A - D]
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fühlen, als durch den Verstand deut-lich aus einander zu setzen ist. Esist besser, daß man die Sachen, dienicht einen überwiegenden, sehr fühl-baren Grad der Wahrheit haben, fürunausgcmacht halte, wenn man sichgleich darinn betröge, als daß man,von leichtem Geiste regiert, allesScheinbare annehme, aus Furcht sichetwas gutes entgehen zu lassen.

Unumgänglich nothwendig ist es,um ein gründlicher Redner zu seyn,daß mau keine falsche Sache zu be-weisen übernehme, auch keine, zuderen Erhärtung man nicht offenba-re Gründe vor sich sieht. Denn indiesen Fallen muß man Beweise er-zwingen oder erschleichen. Erkenntman die Sache mit überlegenderVernunft für wahr, so wird mandurch genügsames Nachdenken alle-mal auch einen richtigen Beweis da-für finden.

Diesen Geschmak der Gründlich-keit muß man durch fleißiges Lesender vorzüglich gründlichen Reden derbesten griechischen und römischen Red-ner und Philosophen erhöhen. Für-nehmlich müssen die besten Redendes Dcmosthenes und Cicero vielfal-tig gelesen werden.

Zu der Gründlichkeit in den Be-weisen muß auch die Deutlichkeit hin-zukommen. Zwar nicht die philoso-phische Deutlichkeit, die jede Vorstel-lung bis auf die einfachen Begriffezergliedert, sondern die ästhetischeDeutlichkeit, die bey dem klaren Ge-fühl der Sachen stehen bleibt. DerRedner bleibet in einzeln Begriffenbey der anschauenden Erkcnntniß ste-hen, sucht aber denselben einen ho-hen Grad der Klarheit und Lebhaf-tigkeit zu geben *). Diese Fertigkeitdeutlich zu scyn, bekommt man nichtohne große Bemühung und lange Ue-bung. Die meisten Menschen habenaus einer angcbohrnen Trägheit desGeistes sich angewöhnt, mit klaren

*) S. Uebcrzeugung.

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und dabey verworrenen Begriffenund Vorstellungen zufrieden zu seyn.Diese unglükliche Trägheit muß dergute Redner schlechterdings über-wunden haben. Er muß niemal zu-frieden seyn, bis er jeder Vorstellung,die seinen Geist zu beschafftigen wür-dig genug ist, den höchsten Grad derDeutlichkeit, der er fähig ist, gege-ben hat. Zu dem Ende muß er sichunnachlaßig in den Versuchen üben,alles deutlich zu sehen, und das,was er selbst so sieht, mit der höch-sten Klarheit auszudrükcn.

Eine wichtige Sache bey den Be-weisen ist auch der Ton, in welchemsie vorgetragen werden. Man be-merkt bisweilen einen gewissen Tonder Wahrheit und der Ucbcrzcugungvon Seiten des Redners, der unssanft, aber unwiderstehlich, zumVeyfall nöthigct, wenn wir auchsonst die Starke des Beweises nichteinsehen, ja selbst da, wo gar keinBeweis angegeben wird. Denn sowie wir geneigt sind, mit dem Trau-rigen zu trauren und mit dem Lachen-den zu lachen, so fühlen wir auch ei-nen Hang demjenigen Beyfall zu ge-ben, wovon wir andre überzeuget se-hen. Es wird nicht überflüßig seynhier ein Bcyspicl anzuführen, darumdieser Ton der Wahrheit sich klar be-merken laßt, da man ohnedem ihnnicht beschreiben, sondern nur anVcyspielen merklich machen kann.

In der Andromacho des Euripi,ves wird diese unglükliche Prinzessinvon der Hermione beschuldiget, daßsie durch allerhand Künste die Zunei-gung des Neoptolemus gewonnen,und ihn ihr, als der rechtmäßigenGemahlin und der Tochter des Me-nelaus, entzogen habe. Androma-che beweist ihre Unschuld in folgen-der Rede.

..Sage mir doch, du junge, uner-fahrne Königin, worauf sollte sichmein Vorsatz, dich aus dem recht-mäßigen Ehebett zu vertreiben,

grün-