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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
387
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steigen oder fallen. Die Seften-bewezm'g die, da die eine Stimmeans dersclbigcn Hohe bleibt, dieandre aber steigt oder fallt; die Ge-gcnbewegunz aber die, da dieeine Stimme steigt, indem die an-dre fallt.

Beweis.

(Beredsamkeit.)

Die Knnst, einen Beweis zu führen,scheinet der wichtigste Theil der Be-redsamkeit zu seyn. In gerichtlichenReden kommt auf die Beweist allesan; in berathfchlagcnden sehr vie-les: aber auch außer diesen Hanpt-gelegcnheitcn hat man fast überallnolhig das Urtheil andrer zu lenken,oder sein eigenes zu rechtfertigen.Eigentlich besieht die ganze Bered-samkeit darinn, daß man sich sowoldes Urtheils, als der Empfindungender Menschen durch die Rede bemäch-tige. Das erste geschieht durch über-führende Beweist. Hiebe!) kommtes auf zwey Hauptstüke an, nämlichauf die Erfindung oder Ausforschungder iZöcrvrit5Zrün0e, und auf dierichtige Anwendung und Ausführungderselben. Einige alte Lehrer derRedner haben jeden dieser beydenPunkte in bcfondern Abhandlungenausgeführt. Die Wissenschaft derErfindung und Erforschung der Be-weisgründe wurde 'l'opicu genennt,und die, welche die Ausführung der-selben lehrt, bekam den Namen I)m-leftuoa. Von der erstem wird indem Artikel ÄcrveiszrüuSL gehan-delt, und von der andern in dem Ar-tikel Dewcisarccn. Aristoteles undCicero haben über beyde gründlichgeschrieben, und die stoische Schule,wie Cicero sagt, hat sich allein inder zwcyten hervorgcthan.

Hier bleibet übrig von dem zu spre-chen, was der Redner überhaupt beyden Beweisen zu bedenken hat. Zujedem Beweis werden zwei) Eigen-

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fchaften erfodert. Wahrheit, oderdoch Wahrscheinlichkeit, und Deut-lichkeit, oder wenigstens große Klar-heit.

Die Wahrheit der Cache hangtzwar nicht von dem Redner ab, siemuß in der Sache selbst liegen; aberbey ihn, steht es sie zu erforschenund andern fühlbar zu machen. Solang er die Wahrheit der Sache, dieer behaupten will, nicht selbst ein-sieht, so ist es vergeblich den Beweiszu unternehmen; und wenn er sogar vom Gegcntheil überzeuget ist,so muß er dieses sich nicht einfallenlassen. Wenn also der Redner sichin vorkommenden Fallen nicht blos-stellcn will, so muß er überhaupt,bey Erlernung der Kunst und in sei-nen Bemühungen in derselben voll-kommener zu werden, sich eine großeGründlichkeit angewöhnen, und sichvor aller Spitzfindigkeit, der falschenGründlichkeit kleiner Geister, miräußerster Sorgfalt hüten

Zu dem Ende muß er sich in gründ-lichen Wissenschaften fleißig üben,damit er sich ein scharfes Nachdenkenangewöhne und aus seinem eigenenGefühl wisse, .was wahre Ueberzcu-gung sey. Hicrnachst befleiße er sichauch überhaupt durch bestandigesNachdenken dieGründlichreifdesGc-schmaks zu bekommen, wodurch injeder Sache das Große und Wich-tige von dem Kleinen und Unerhebli-chen richtig unterschieden wird. Ergewöhne sich, jede Vorstellung aufdie Waage der gesunden Vernunftzu legen, um zu sehen, ob sie einmerkliches Gewicht habe. Das, waswürklich wichtig ist, halte er alleinwert!), überdacht und dem Gedacht-niß anvertraut zu werden; alles an-dre lasse er fahren.

Am allermeisten hüte er sich fürSpitzfindigkeit, wodurch irgend einSchein für das Ansehen einer Sacheerzwungen wird,! dessen Nichtigkeiteher durch die gesunde Vernunft zu

Vb 2 fühlen,