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„doch die Zuschauer bereden, daß ich„nicht ihn, sondern sr mich umge-worfen habe *)."
Natürlicher Weise mußte in Athen,nachdem einmal die Demokratie daeingeführt war, die Beredsamkeit diewichtigste Kunst werden, weil mandurch sie bcynahe zum unumschränk-ten Herrn des Staats wurde, wiePerikles würklich gewesen ist. Da-mals also, nnd noch eine ziemlicheZeit nachher, war Athen vollRhcto-rcn, bey denen die vornehmere Ju-gend die Staatsberedsamkeit lernte.Also kam die Beredsamkeit bey die-sem, ohnedem mit dem glüklichstenGenie begabten Volke, auf den höch-sten Grad der Vollkommenheit. Werirgend einige Vorzüge des Genies insich empfand, der wurde ein Redner,oder er suchte die Theorie dieser Kunstins Licht zu setzen. Die theoretischenWerke aus den damaligen Zeitensind alle, bis auf die Rhetorik desAristoteles, für uns verloren. Hin-gegen sind noch Meisicrstüke vonwürklichen Werken der öffentlichenBeredsamkeit ans den goldenen Zei-ten derselben übrig, die man in derGeschichte des Thucpdides, und inden Werken des Isokrares, des T>c-mosthenes und des Aeschmes findet.Vom Jsokratcs sagt man, er fty dererste, der das Studium des Mecha-nischen im Ausdenke, des Wolklan-ges und der künstlichen Einrichtungder Perioden, eingeführt habe.
Ein ganz außerordentliches Be-streben nach der höchsten Vollkom-menheit dieser Kunst äußerte sich vor-nehmlich in Athen, als die politischenUmstände Griechenlandes der Frcy-heit dieses Staats den Untergangdrohten. Eine so äußerst wichtigeSache erwekte natürlicher Weise al-les , was irgend an Kräften in denGemüthern der Patrioten vorhandenwar. Damals tharcn sich insbeson-dre Demosthenes und Phocion her-
*) kNursrcb. in ksricl.
Ber
vor, die eifrigsten Versechter derFreyheit; jener durch. Reden, dieserdurch Reden nnd Thaten. Von je-nem sagt man, er sey der fürtrcff-lichstez von diesem, er sey der nach-drüklichste Redner gewesen. Mankann nicht ohne Bewukdrung sehen,mit was für unermüdeterWürksam-kcit, mit welcher Anstrengung desGeistes, mit welcher Hitze der Em-pfindung , Dcmosthenes jede Trieb-feder des menschlichen Herzens zu rei-zen gesucht hat, um die sinkendeFreyhcit aufrecht zu halten. Viel-leicht hat niemals ein Mensch für dieRechte der Menschlichkeit weder mitso viel Genie, noch mit so viel Eisergefochlen. Seine Reden sind dasfürtrefflichste Denkmal des Ver-standes und der patriotischen Ge-sinnungen.
Ucberhaupt herrscht in den Uebcr-blcibscln der Beredsamkeit derselbenZeit eben der Geschmak, den man inandern griechischen Werken der schö-nen Künste aus diesem Zeitalter sieht.Eine ganz männliche Stärke desVerstandes, der überall das sieht,was am geradesten und sichersten zumZwek führet, der über alle Ränkeund Spitzfindigkeit des Witzes undder täuschenden Einbildungskraftwegschreitet; und ein Herz, das diewahre Größe nnd Stärke der mensch-lichen Natnr empfindet, das vonnichts kleinem gerührt wird. Auchdie Gattung der Beredsamkeit, dieruhigere Gegenstände zum Inhalthat, die den Philosophen, den Gc-schichtschreibern und den Moralisteneigen ist, war in dieser goldenen Zeit,die vom Perikles bis ans den Pho«cion gedauert hat, in ihrer höchstenSchönheit, wovon die Werke desPleno und des Tcnophon hinläng-lich zeugen. Eben so scheint auchdie Beredsamkeit des Umganges da-mals im höchsten Flor gewesen zuseyn, wovon man tausend Bcy-fpiele in den Werken des Plutarchus
antrifft.