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1 (1792) [A - D]
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369
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nichts einwenden. Richter müssenerleuchtete stind einsichtsvolle Perso-nen seyn, die nicht handeln, sondernnur einsehen müssen, wo die Wahr-heit und das Recht liegt: dazu ha-ben sie keines Redners Hülfe nöthig.Nur wo ein ganzes Volk, und einVolk von nicht großer Einsicht, ur-theilcn, oder zu einem? einstimmigenZwck handeln soll, da muß es Män-ner haben, die an seiner Statt un-tersuchen, abwiegen, und die über-wiegenden Gründe ihm vorlegen-

Vcrmuthlich ist auch der Miß-brauch, der sehr oft von der Bered-samkeit gemacht worden, die Haupt-ursache, daß verschiedene Gesetzge-ber sie aus den Gerichtshofen ver-bannt haben: denn je großer ihreKraft ist, je schädlicher wird ihrMißbrauch: und wie das kräftigsteArzncymittel in den Händen einesUnwissenden zum Gift wird, so wirddie Beredsamkeit in den Händen ei-nes Boshaften zum Werkzeug derUngerechtigkeit und der Unterdrü-kung. Ohne Zweifel war es die Be-sorgung des Mißbrauchs, die denGesetzgeber in Crera bewogen hat,sie als eine Verführerin des Volksaus seinem Staate zu verbannen *).Diese Vorsicht aber war zu weit ge-trieben: es giebt Mittel den Miß-brauch zu verhindern, oder wenig-stens ihn sehr einzuschränken.

Der Ursprung dieser Kunst muß inden ersten Zeiten des gesellschaftlichenLebens gesucht werden. So baldunter einem Volke die Sprache inetwas gebildet ist, so entsteht ausgroßen gesellschaftlichen Angelegen-heiten das Bestreben, in dem die Be-redsamkeit ihren Ursprung hat. EinPatriot sucht die Gedanken des Volksnach seiner Einsicht zu lenken. Mankann also die Erfindung dieser Kunstkeiner besondern Zeit und keinemVolke besonders zuschreiben. Sie

S. Lexms Tmp. sgverk. lVlzrbsm.

I. II.

Bester Theil.

ist eine Frucht der Natur, jedem Bo-den einheimisch; nur nimmt sie et-was von dem Charakter des Him-melsstrichs, unter dem sie hervor-kommt, an. Welche Volker aberdie Gabe zu reden in eine förmlicheKunst verwandelt haben, könnenwir nicht sagen. Vielleicht habendie asiatischen Griechen dieses ge-than- Wenn es wahr ist, was manvon den Verordnungen des Thalesin Creta, und des L^kurgus inSparta sagt *): so scheint die Be-redsamkeit schon zu ihren Zeiten eineförmliche Kunst gewesen zu seyn,deren Regeln gelehrt worden sind.Daß aber schon vor dieser Zeit dieKunst zu reden geblüht habe, beweist-Homer, der vollkommenste Redner.Die Reden, die er seinen Helden inden Mund legt, sind nach Maaßge-bung der Personen und der Umständevollkommen. Ob aber schon zu sei-ner Zeit Schulen der Beredsamkeit,oder besondre Lehrer derselben gewe-sen seyen, läßt sich nicht sagen. DenPhilosophen Dias stellt DiogenesK.aertius als einen großen gerichtli-chen Redner vor; woraus sich we-nigstens abnehmen läßt, daß die öf-fentliche Beredsamkeit nicht erst, wieeinige vorgeben, zu den Zeiten desperikles in Flor gekommen. Siescheint vielmehr zu den Zeiten diesesStaatsmannes in Athen ihren höch-sten Gipfel erreicht zu haben. Mansagt von ihm, daß er das Volk zuallem, was er sich vorgesetzt hatte,habe bereden können. Ein sehr nai-ves Zeugniß davon liegt in einerAntwort, die ThucySides dem spar-tanischen König ArcblSamns aufdie Frage gegeben: wer von ihnenHeyden, Pcriklcs oder Thucydidcs,stärker im Ringen sey;das istschwer zusagen:"(wardieAntwort,)denn wenn ich ihn im Ringen zuBoden geworfen habe, so kann er

»doch

Sexrus I. c.

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