Ber
sind Psato, Xenophon, Cicero, Rous-seau, zu Lehrern der Menschen wor-den. Sie unterrichtet ciuzele Mcn-'schen und ganze Gesellschaften vonihrem wahren Interesse; durch siewerden die Empfindungen der Ehre,der Menschlichkeit und der Liebe desVaterlandes in den Gemüthern regegemacht.
Männer von vorzüglichen Gc-mürhsgaden, die überall das Wahre,und Gute schen, von demselben leb-haft gerührt werden, die dabey dieGabe haben, allcS, was sie erken-nen und empfinden, auch andern fühl-bar zu macheu, die die Kunst besitzen,von der man mit Wahrheit sagt:daß sie die Sinnen der Menschenlenkt und die Gemüthcr besänfti-get *); können solche Männer nichtals Geschenke dcS Himmels angese-hen werden? alS Lehrer und Vorste-her der Menschen, bestimmt jede ge-meinnützige Kenntniß, jede gute Ge-sinnung unter einem ganzen Volkauszubreiten?
In der Beredsamkeit findet dieachte Politik das wichtigste Mittelden Sfaat glücklich zumachen. Aeuf-serlichcr Zwang macht keine guteBürger; durch ihn ist der Staat ei-ne leblose Maschine, die nicht län-ger geht, als so lang eine fremdeKraft auf sie drükt; durch die Be-redsamkeit bekommt sie eine innerelebendige Kraft, wodurch sie unauf-haltbar fortgeht. In den Händeneines weisen Regenten ist sie ein Zau-berstab, der eine wüste Gegend in einParadies verwandelt, ein trägesVolk arbeitsam, ein feiges beherzt/ein unverständiges verständig macht.Steht sie dem Philosophen bey, sobreitet sich Vernunft und Einsichtüber ein ganzes Volk ans; leistet sieihre Hülfe dem Moralisten, so neh-men Gesinnungen der Rcchtschassen-hcit, der Redlichkeit und der Groß-
H kezir <VUis »nimo« er psÄor» mul-cer. Virx. I, izz.
Bcr 367
muth, die Stelle der Unsittlichkeit,
des Eigennutzes nnd aller verderbli-chen Leidenschaften ein: durch siewird alsdenn ein wildes, ruchloses,frevelhaftes Volk, gesittet und tu-gendhaft. Durch sie unterstützt konn-te der unsterbliche Tulling einen wil-den, äußerst aufgebrachten Pöbel,besänftigen *). Durch sie brachtedieser Patriot das romische Volk da-hin, daß es eine Sache, die es seitJahrhunderten gewünscht und fürdas größte Glük angesehen halte,freywillig verwarft). Und hättenicht das Schiksal Roms Untergangbeschlossen, so wäre es dnrch die Be-redsamkeit dieses einzigen Mannesgerettet worden.
Diese Kraft hat die Beredsamkeitnicht nur alsdenn, wenn sie sich ineinem feyerlichen Aufzuge vor einemganzen iftolke zeiget, und große öf-fentliche Reden hält. Oft hat eineinziges Wort, zn rechter Zeit gespro-chen, mehr Kraft, als eine langeRede. DiewcitläuftigenReden, der»gleichen Thucydidcs und Livius denHeerführern in den Mund legen, sindselten so würkfam, als ein zuversicht-liches Wort im rechten Augcnblikund im wahren Ton der Zuversichtgesprochen; wie das, wodurch eingriechischer Heerführer, ' den mandurch die üoerlegene Anzahl derFeinde fchrcken wollte, feinem HeereMuth gab: lLs. ist nicht unfre Artzu fragen, wie stark der Feind fes,sondern wo wir ihn antreffen kön-ne-?.
Also kann die Beredsamkeit, auchohne Veranstaltung, mitten in denGeschäfften, durch wenig Worte diegrößte Würknng thun. Durch dieseArt der Beredsamkeit hat Svkratesdnrch eine einzige Unterredung aus
einem
') S. Plutaech im Cicero.
"ve äiceitts lsgem szrsrism, boc elkslimema lus. slxkicsveiimc cribus.Min. klitt. Mr. I..Vtl. c.zo. ^