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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
351
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B e g

Empfindung so genau angemessene,Ton, und alles, was sonstcn in die-ser Art der Begeisterung sich offen-baret.

Dichter, die in diesem Zustand ih-re Empfindungen äußern wollen,ergreifen die Leyer, und singen Hy-mnen, Oden oder Elegien. Nirgendsieht man alle diese Würkungen leb-hafter, als in den Oden und Ele-gien der Propheten des jüdischenVolks.

Dieser Zustand hat seine verschie-denen Grade und mancherlei) Schat-tirung, sowol nach der Starke undArt der Empfindung, als nach derGcmmhSart der fühlenden Person.Bisweilen zeiget sich die Empfindungmit der Gewalt eines wütendenFeuers oder eines alles fortreißendenErrohins; der Dichter fühlt sich voneiner höhcrn Macht fortgerissen, wieHoraz, wenn er ausruft:

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In dieser Begeisterung reißt er auchuns gewaltig mit sich fort, setzt unsin Erstaunen, oder in Schrecken, oderin ausgelassene Freude. Andrcmaleist sie ein sanft schmelzendes Feuer,das die ganze Seele in Wollust oderZärtlichkeit zerstießen macht. Als-denn fließen die Worte, wie ein sanf-ter Strohn?, aber mit einem Ucber-fluß von Gedanken und Vorstellun-gen. Daher entstehen die Oden undElegien der sanftern Gattung, dieden Leser mit Zärtlichkeit, oder leich-ten? Vergnügen, oder süßer Traurig-keit erfüllen.

Fällt diese Begeisterung auf eineSeele, die in ihren? ordentlichen Zu-stand eine gesunde Urthcilskrafc undwolgeordnete Empfindungen besitzt:so bleibet auch ihren Schwärmereienettvas von dein Gepräge einer or-dentlichen Natur übrig; befällt sieaber Menschen von geringem Ver-stand und von unordentlichen Leiden-schaften: so können ihre Würkungen

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nicht anders, als abcnthcuerlich undvoll Narrheit seyn.

Es ist nicht schwer zu bestimmen,durch was für Gegenstände und inwas für Umständen diese Art desEnthusiasmus entstehe. Man kenntdie gewöhnlichcnVcranlassuugcn star-ker Leidenschaften, der Freude, derTraurigkeit, der Zärtlichkeit, derEhrbegierde. Erscheinet ein leiden-schaftlicher Gegenstand in einem hel-len Lichte, und rührt er ein Gemü-the, das schon für sich zu der Leiden-schaft, worauf er sich bezieht, geneigtist: so entsteht plötzlich die crhöheteWürksamkeir, die der Grund desEnthusiasmus ist. Bei) reizbarenSeelen, die gewisse Empfindungen,von welcher Art sie seyn, oft undbey mancherlei) Gelegenheiten gehabthaben, werden selbige bisweilen voneiner gering scheinenden Ursache niitgroßer Lebhaftigkeit wieder rege.Wer lange unter dein Druk einerWiderwärtigkeit gcseufzet, und sel-bigen von vielen Seiten her empfun-den hat; wer lange in Traurigkeitüber einen schmerzhaften Verlust ver-tieft gewesen; wer Empfindungen,von welcher Art sie seyn, lange inseinem Herzen genährt hat: der er-fährt den vollen Ausbruch derselben,als einen plötzlichen Sturm, sobaldeine auch blos zufällige Gelegenheitnur eine einzige dahin gehörige Vor-stellung recht klar macht. Wie eineinziger Funken schnell einen großenBrand erregt, wenn die Materienvorher erhitzt gewesen; so kann diegeringste Vorstellung von einer ge-wissen Lebhaftigkeit eine Menge inder Seele liegender Empfindungenplötzlich auftveken. Auf diese Artwird auch bey Dichtern, die Empfin-dungen von gewisser Art lange in ih-rem Busen genährt haben, der volleEnthusiasmus erwckt, so bald eindamit verbundener Gegenstand, durchwelche Veranlassung es seyn mag,in einem sehr lebhaften Licht erschei-net.