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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
350
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Kraft in der Seele macht. Ist die-ser Gegenstand undeutlich, daß dieVorstellungskraft wenig darinn ent-wikeln kann: ist das Gefühl seinerWürkung lebhafter, als die Kennt-niß feister Beschaffenheit, von wel-cher Art die Gegenstande der gemein-sten Leidenschaften sind: so wird alleAufmerksamkeit auf die Empfindunggerichtet, die ganze Kraft der Seelevereiniget sich zu dem lebhafteste»Gefühl. Zeiget sich aber der Gegen-stand, der den starken Eindruk ge-macht hat, in einer hellen Gestalt,die der Geist in ihren mannigfalti-gen Theilen übersehen kann, so wirdmit der Empfindung auch die Vor-stellungskraft gereizt, und mit Ge-walt auf den Gegenstand geheftet;Verstand und Einbildungskraft be-streben sich, denselben völlig und mitder größten Deutlichkeit und Lebhaf-tigkeit zu sagen. Im ersten Fallentsteht der Enthusiasmus des Her-zens ; im andern Falle die Begeiste-rung des Genies. Beyde verdienen,etwas umständlicher in ihrer Naturund in ihren Würkungen betrachtetzu werden.

Der Enthusiasmus des Herzens,oder die erhitzte Würksamkcit derSeele, die sich hauptsachlich in Em-pfindungen äußert, wird von wich-tigen Gegenständen erwekt, in denenwir nichts deutlich sehen, bey denendie Vorstellungskraft nichts zu thunfindet, wo die Aufmerksamkeit vondem Gegenstand selbst abgezogen,und auf das, was die Seele fühlt,auf ihr eigenes Bestreben gerichtetwird H. Dabcy verliert der Geist

Man kann hierüber den Artikel, Em-psindung, nachsehe». Ausführlicheraber ist diese Materie in einem Aufsatzabgehandelt worden, der sich in denKl-mo>i-es der Königs. Preuß. Akade-mie der Wissenschaften kür das Jahr1764, unter diesem Titel befindet:vizservirions lur las clivees ecsrs, oüI'sms ss ri ouve eri exercsnr lbz tacul-res primitives, cell« ci'axpereevoirer celie eie lenrir.

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den Gegenstand aus dem Gesichte,und fühlt desto lebhafter seine Wür-kung. Alsdcnn wird die Seele ganzGefühl; sie sieht nichts mehr alsaußer sich, sondern alles in ihr selbst.Alle Vorstellungen von Dingen, dieaußer ihr sind, fallen ins Dunkele;sie sinkt in einen Tranm, der dieWürkungen des Verstandes gröfften-theils Hemmer, die Empfindung aberdesto lebhafter macht. In diesemZustand ist sie weder einer genauenUebcrlegllng noch eines richtigen Ur-thals fähig; desto freyer und lebhaf-ter aber äußern sich die Neigungen,und desto ungebundener entwikelnsich alle Triebfedern der Vegehrungs-kräfte.

Da die Vorstellungskraft nun nichtmehr vermögend ist, das würklichvorhandene von dem blos eingebil-deten zu unterscheiden, so erscheinetdas blos mögliche als würklich;selbst das Unmögliche wird möglich;der Zusammenhang der Dinge wirdnicht mehr durch das Urthell, son-dern nach der Empfindung geschätzt;das Abwesende wird gegenwärtig,und das Zukünftige ist schon itztwürklich. Was jemals mit einigerBeziehung auf die gegenwärtige Em-pfindung in der Seele gelegen,kömmt itzt wieder hervor.

In dieser Art der Begeisterungliegt nichts klar in der Seele, alsdie Empfindung, llnd alles, was ei-ne nahe oder entfernte Beziehungdarauf hat. Daher entsteht die un-gemeine Leichtigkeit, das, was inder Empfindung liegt, auszudrüken;die Lebhaftigkeit und Stärke desAusdruks; die süße Schwatzhaftig-keit in zärtlichen Affekten; der wilde,erstaunliche, oder herzrührcnde Aus-druk in heftigen Leidenschaften; diegroße Mannigfaltigkeit lieblicher oderstarker Bilder; die vielfältigen Schat-tirungen der Empfindung; die selt-samen und träumerischen Verbindun-gen der Gegenstände; der, jcoer

Empfin-