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rey solche Umrisse der ganzen Vor-stellung eine Hurtigkeit geben, sanfteund beynahe ungewiß scheinende aberalles weich und natürlich machen,so ist es auch in dein Gesänge.Jeder etwas anhaltende Ton wirdsteif und hart, wenn ihm nicht dieBebung ein sanfteres Wesen giebt.Dieses ist eine der Ursachen, warumeine Melodie auf einem Clavier, des-sen Saytcn durch Federn geschnelltwerden, niemal so sanft kann gespieltwerden, als auf der Violin oder aufder Flöte, welche den Tönen die Be-bung geben kann.
Die menschliche Stimme hat denVorzug, den sie so offenbar vor al-len andern Instrumenten hat, groß-tenthcils den sanften Bedungen zudanken, die sie allen anhaltenden Tö-nen giebt. Es ist ein wesentlichesStük des guten Singens und Spie-lens , daß man lerne jeden Ton mitsolcher Bcbung aushalten. Im Sin-gen ist es am leichtesten, weil dieNatur selbst dieWerkzeuge der Stim-me so gebildet hat, daß sie bey kei-nem anhaltenden Ton in derselbensteifen Spannung bleiben. Auf In-strumenten aber erfodcrt die Bebungweit mehr Kunst. Am leichtestenscheint sie auf der Violin durch dasschnelle hin und her wälzen des dieSayte niederdrükcndcn Fingers er-halten zu werden.
Begeisterung.
(Schöne Künste.)
Alle Künstler von einigem Genie ver-sichern, daß sie biswe>lcn eine aus-serordentliche Würksamkeit der See-le fühlen, bey welcher die Arbeit un-gemein leicht wird; da die Vorstel-lungen sich ohne große Bestrebungentwikcln, und die besten Gedankenmit solchem Ueberfiuß zuströhmen,als wenn sie von einer höhern Krafteingegeben würden. Dieses ist ohneZweifel das, was man die Degeifte-
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rung nennt. Befindet sich ein Künst-ler in diesem Zustaube, so erscheinetihm sein Gegenstand in einem unge-wöhnlichen Lichte: sein Genie, wievon einer göttlichen Kraft geleitet,erfindet ohne Mühe, und gelangtohne Arbeit zum besten Ausdruk des-sen, was es erfunden: dem begei-sterten Dichter siröhmen die fürtrcff-lichsten Gedanken und Vorstellungenungefucht zu; der Redner nrthcilt mitder größten Gründlichkeit, fühlt mitder höchsten Lebhaftigkeit, und dieWorte zum stärksten und lebhaftestenAusdruk werden ihm auf die Zungegelegt. Der begeisterte Mahler fin-det das Bild, das er gesucht hat,vor seine Stirne gemahlt, und inder größten Kraft, er darf nur nach-zeichnen; selbst seine Hand scheinetvon einer außerordentlichen Kunstgeleitet, und mit jeder Bewegungder Finger bekömmt das Werk einenneuen Grad des Lebens.
Was soll man aus einer so sonder-baren Erscheinung machen, die demPhilosophen in ihrem Ursprung, unddem Künstler in ihrer Würkung sosehr wichtig ist? Woher kömmt die-se außerordentliche Würksamkeit derSeele, und wie kann sie so glüklicheWürkungcn haben?
Diese erhöhctc Würksamkeit zeigetsich entweder in den Begehrungs-kräften, oder in den Vorstellungs-kräften der Seele, in jeden mit be-sonderm Erfolg. In jenen durch an-dächtige, oder politische, oder zärt-liche, oder wollüstige Schwärme-reyen; in diesen durch erhöhte Fä-higkeiten des Genies, durch Rcich-thum, Gründlichkeit, Stärke undGlanz der Vorstellungen und Gedan-ken. Also ist die Begeisterung vondoppelter Art: die eine würkt vor-züglich auf die Empfindung, die an-dre auf die Vorstellung.
Vcyde haben ihren Ursprung ineinein lebhaften Eindruk, den einGegenstand von besondrer ästhetischer
Kraft