Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

Z2z Bau

lenz warum das connthische Capi-tal drcy, und nicht zwcy ReihenBlatter haben soll: so muß mandiese zufällige Schönheiten nicht innothwcndige Regeln fassen. Gleich- -wol vergiebt man insgemein einemBaumeister eher einen abgebrochenenGiebel, der ein Fehler wider die Na-tur ist, als einen Drcyfchlitz, deraußer dem vitruvischen Verhaltnißist; da doch dieses oft eine Schönheitund kein Fehler ist.

Die nothwendigcn Regeln sind inder Natur unfrer Vorstellungen ge-gründet; die zufälligen sind dieFrucht des Augenmaaßes und einesGefühls, dessen eigentliche Schran-ken nicht zu bestimmen sind. Einelange Erfahrung lehret, daß die grie-chischen Baumeister ein feines Augegehabt haben, daß ihre Verhältnissegefallen, daß ihre Verzierungen an-genehm sind. Aber niemand ist imStand, zu beweisen, daß sie die ein-zigen guten sind. Von verschiede-nen Verzierungen wissen wir, daßsie ganz zufällig sind, und daß manoft angenehmere an ihre Stelle setzenkönne. Sich gänzlich au die Regelnder Alten binden wollen, heißt ebenso viel, als urtheilcn, daß keineweibliche Figur schön scyn könne, dienicht in allen Stüken der mcdiccischenVenus gleicht, und keine männliche,die nicht alle Verhältnisse des Apolloin Bclvcdcre hat.

Wir rathen demnach denen, wellche über die Theorie der Baukunstschreiben, daß sie zuvoderst die norh-wcndigen Regeln ausführlich undwol auseinander setzen, und derenBeobachtung genau einschärfen; weiles niemal erlaubt ist, davon abzu-gehen. Die zufälligen Regeln kön-nen sie aus den besten Mustern desAlterthums, aus dem Vitrnviusund den besten neuern Baumeisternnehmen, ohne deren genaueste Be-obachtung als schlechterdings norh-wcndig anzupreisen. Man muß sie

Bau

nur als ungcfehr richtige Gränzeuansehen, welche man niemal weitüberschreiten kann, ohne in gefähr-liche Abwege zu gcrathen. Fürschlechte Baumeister, die selbst keinAugenmaaß und wenig Geschmakhaben, ist es sehr gut, wenn sie sichgenau an diese Regeln binden. Dieaber ein feines Aug und einen sichernGeschmak haben, können sie sehr oftohne Gefahr verlassen.

In allen Artikeln, wo wir vonzufalligen Regeln zu sprechen haben,werden wir uns hauptsächlich an diehalten, welche Gowmann angege-ben hat. Man wird schwerlich ei-nen Baumeister finden, der seineKunst mit einem so scharfen Nach-denken bearbeitet hat, als dieser. Dieallgemeinen, sowol nothwendigcn,als zufalligen Regeln müssen anffol-gende Hauptstüke besonders ange-wendet werden, i) Auf die Anord-nung oder Figur und Form der Ge-bäude überhaupt. 2) Auf die innereWmheilung. g) Auf die Verfie«rung besondrer Thcile. Wenn alsodie Theorie in ihrem ganzen Ilm-fange vorgetragen wird, so enthältsie folgende Hauptstüke: 1) Allge-meine Untersuchungen über die Voll-kommenheit und Schönheit einesGebäudes. 2) Regeln über die An-ordnung. z) Regeln über die Ein-teilung. 4) Betrachtungen und Re-geln über die Schönheit der Außen-seiten 5) Betrachtungenund Beschreibungen der verschiede-nen Säulenordnungcn. 6) Von denkleinen Verzierungen der Glieder.7) Von den inwendigen Verzierungen.Das Mechanische der Baukunst über-gehen wir hier.

Von den Schriften der Alten, überdie Daukunft, ist keine übrig, als dc6XI. Virruvii Uoil. Uil>. X. welche zu-erst, corrigenre loa. Luchino, l.e. ». f. erschienen; c. Lul. Ullüsnstri

cslli-