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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
317
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Bau

ncstenThcilen derselben, ivahrenGe-schmak, ttcberlcgung, Schiklichkeitund edle Einfalt zeiget. Bcy denThcbanern war ein Gesetz, nach wel-chem ein Mahler, der ein schlechtesWerk verfertiget hatte, um Geld ge-straft wurde *). Wichtiger war es,in einem gesitteten Staat Gesetze zurVerhütung grober Fehler gegen dieBaukunst einzuführen. Ihre Auf-nahm und ihr Einfluß auf die ge-ringsten Privatgcbäude ist gewiß derAufmerksamkeit eines Gesetzgebersnicht unwürdig; und so gut, nachdem Urthcil der ehemaligen Sparta-ner, die Musik einen Einfluß auf dieSitten haben kann, so gewiß kanndie Baukunst dieses thun. Schlechte,ohne Ordnung und Verstand ent-worfene und aufgeführte, oder mitnärrischen, abentheuerlichen, oderausschweifenden Zicrrathen überla-dene Gebäude, die in einem Landeallgemein sind, haben unfehlbar eineschlimme Würkung auf die Den-kungsart des Volks.

Der gute Geschmak der Baukunstist im Grunde eben der, der sich so-wol in andern Künsten, als in demganzen sittlichen Leben der Menschenvortheilhaft äußert. Seine Wür-kung ist, daß in einem Gebäude nichtsunüberlegtes, nichts unverständiges,nichts, das der Richtigkeit der Vor-stellungskräfte zuwider ist, angetrof-fen werde; daß jeder einzcle Theilsich zum Ganzen wohl schike; daßdas Ansehen und der Charakter, oderdas Gepräge des Gebäudes, mit sei-ner Bestimmung wol übereinkomme;daß kein Theil und keine Zierrathdaran fey, von der man nicht ohneUmschweif sagen könne, warum sieda sey; daß die edle Einfalt demUeberfluß an Zierrathcn vorgezogenwerds; daß endlich aus jedem ein-zeln Theile Fleiß und Verstand deut-lich hervorleuchten. An den weni-

S, ^«IMuz Vi»r. biit. l.. IV. »4.

Bau zi?

gen Gebäuden, die von der guten

Zeit der griechischen Baukunst übriggeblieben sind, zeigen sich alle dieseEigenschaften deutlich; sie könnenals Muster des reinen Geschmaks an-gesehen werden.

Die ersten Bemühungen in dieserKunst entstehen natürlicher Weise beyjedem Volke, sobald es sich aus dergröbsten Barbarei) losgerissen, Mußezum Nachdenken und Begriffe vonOrdnung, Bequemlichkeit und Schik-lichkeit, bekommen hat. Denn es istdem Menschen natürlich, das Or-dentliche der Unordnung vorzuziehen.Also fällt der Ursprung der Baukunstin die entferntesten Zeiten, und istnicht bcy einem Volk allein anzutref-fen. Es würde angenehm und lehr-reich seyn, die Hauptartcn des Ge-schmaks in der Baukunst, durch Auf-zeichnung einiger Hauptgebäude der,diese Kunst übenden, aber sonstkeineGemeinschaft unter sich habenden,Nationen, vor Augen zu legen. Eswürde sich viel von dem National-charakter derselben daraus bestimmenlassen. Man würde zwar in allendieselben Grundgesetze, aber aufsehr verschiedene Weise angewendet,finden.

Der Geschmak, den die ncuernEuropäer angenommen haben, istiin Grunde derselbe, der ehedem inGriechenland und in Italien ge-herrscht hat. Er scheinet, wie dieersten Anfänge verschiedener andrerKünste, nicht auf griechischem Bodenerzeuget, sondern aus Phönizien undEgypten dahin gekommen zu seyn;aber durch das feine Gefühl und denmännlichen Verstand der Griechenseine Vollkommenheit erreicht zu ha-ben- In Egypten trifft man nochRuinen von Gebäuden an, die allemAnsehen nach älter, als der Anfangder eigentlichen Geschichte sind. Andenselben ist schon der griechische Ge-schmak, auch so gar in kleinem Vcr'c-

ziemi?