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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
316
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von außen und innen: dieses sind dieEigenschaften, die der Baumeisterjedem Gebäude geben muß.

Also muß er, wenn ihm die eigent-liche Bestimmung desselben angezcigetwird, die Hquptthcile in der schik-lichstcn Große, jeden, wie er zumGebrauch am vollkommensten ist,erfinden; die gefundenen Hauptthciledergestalt in ein Ganzes zusammenverbinden, und anordnen, daß nichtnur jeder Theil seinen schiklichen Ortbekomme, sondern das Ganze, aus-wendig und inwendig, ein wol über-legtes,, bequemes, seinem Charakterund seiner Bestimmung richtig ent-sprechendes, und nach feiner Forinwol in die Augen fallendes Werkausmache; jeder cinzcle Theil mußbis auf die geringste Kleinigkeit soseyn, wie er sich zu dem, was erseyn soll, am besten schiket. Es niußüberall Verstand, Ueberlcgung undguter Geschmak aus dem Werk her.vvrleuchten. Alles unnütze, allesunbestimmte, alles widersprechende,alles verworrene, muß auf das sorg-fältigste vermieden werden. Wenndas Auge durch die gute Form desGanzen gereizt worden, so muß essogleich auf die wesentlichen Haupt-theile geleitet werden, selbige wolunterscheiden können, und wenn esdavon gesättigct ist, auf die kleinemTheile geführt werden; deren Bestim-mung, Nothwcndigkeit und Schik-lichkeit zum Ganzen einleuchtendfühlen. In dem Ganzen muß einesolche Harmonie, ein solches Gleich-gewicht der Theile seyn, daß keinTheil zum Schaden des Ganzen we-der hervorsteche, noch durch Mangelund Unvollkommcnhcit die Aufmerk-samkeit stähre. Kurz, alle Weisheitund aller Geschmak, den man andem äußern und innern Vau desmenschlichen Körpers bewundert, dar-an alles vollkommen ist, muß nachBeschaffenheit desjGegenstandes auch

Bau

in einem vollkommenen Gebäude zubemerken seyn.

Also hat der Baumeister, wie je.der andre Künstler, die Natur fürseine eigentliche Schule zu halten.Jeder orgauisirte Körper ist ein Ge-bäude; jeder inncreTheil ist vollkom-men zu dem Gebrauch, wozu er be-stimmt ist, tüchtig; alle zusammenaber sind in der bequemsten und cn-gcsten Verbindung; das Ganze hatzugleich in seiner Art die beste äußer-liche Form, und ist durch gute Ver-hältnisse, durch genaue Uebcreinstim-mung der Theile, durch Glanz undFarbe angenehm. Diese Eigenschaf-ten hat auch jedes vollkommene Ge-bäude. Man konnte dcßwegen miteinigem Schein behaupten, daß demVaumcister die Erfindungskraft unddas Genie noch nothiger sind, alsdem Mbhlcr; denn dieser kann schondurch eine pünktliche Nachahmungder Natur gute Werke hervorbringen,da der andre nicht die Werke derNatur, sondern das Genie und denGeist derselben nachzuahmen hat,wozu mehr, als ein blos leiblichesAuge nothig ist. DcrMahlcr erfin-det seine Formen nicht, sie sind schonin der Natur vorhanden: aber derBaumeister muß sie erschaffen.

Deswegen gereicht die Vollkom-menheit der Baukunst einer Nationzu nicht geringerer Ehre, als die ist,die sie durch andre Talente erwerbenkann. Elende Gebäude, die bey ei-ner gewissen Große weder Bequem-lichkeit noch Regelmäßigkeit haben»bey denen widersinnische Veranstal-tungen, abeutheuerliche Verhältnisse,Unfleiß der Arbeit, und andre Man-gel dieser Art durchgehends herrschen,sind ein untrüglicher Beweis vondem Unverstand und dem schlechtenGemüthszustand einer Nation. Vor-theilhafte Begriffe hingegen muß manvon der Deirkungsart eines Volkesbekommen, das auch in seinen ge-ringsten Gebäuden und in den klei-

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