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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
315
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Bau

Gebaud aufgeführet wird, bestimmtdessen Hauptthcilc; durch mechani-sche und mathematische Regeln be-kommt es seine Festigkeit; aber ausSachen, die die Nothdurft erfun-den , ein Ganzes zusammen zu setzen,das in allen seinen Theilen jedes Be-bürfniß unsrer Vorstellungskraft be-friediget; dessen uberlegte Betrach-tung den Geist beständig in einer vor-theilhasten Würkung erhalt; dasdurch sein Ansehen Empfindungenvon mancherley Art crwekct; dasdem Gcmüthe Bewundrung, Ehr-furcht, Andacht, fcyerlichc Rührungeinpräget: dieses sind Wartungendes durch Gefchmak geleiteten Ge-nies; und dadurch erwirbt sich eingroßer Baumeister einen ansehnlichenRang unter den Künstlern,

Wie diese Kunst in ihren Ursachenso edel, als irgend eine andre ist:so kann sie auch ihren Rang durchihre Würkungcn behauptein Wo-her hat der Mensch überhaupt seineBegriffe von Ordnung, von Schön-heit, von Harmonie und Ucberein-,siimmuug; gewiß nützliche und wich-tige Begriffe? Woher hat er dieersten Empfindungen von Annehm-lichkeit, von Lieblichkeit, von Be-wundrung der Große, und selbstvon Ehrfurcht für höhere Kräfte, alsuns überlegter Betrachtung körper-licher Gegenstände, die der Bau derWelt ihm vor Augen stellt? Siehtman nicht, daß der erste Anwachsder menschlichen Vollkommenheit derSchönheit, Annehmlichkeit, Bequem-lichkeit und' andern vorthcilhastenEindrucken der Gegend, die man be-wohnet, zuzuschreiben sei)? Undträgt nichr ein elendes, von allenAnnehmlichkeiten und Bequemlichkei-ten entblößtes Land, das meiste zuder Barbarei) und dem viehischen Zu-stand seiner Einwohner bei)? Wenndieses nicht kann geleugnet werden,so kann man auch der Baukunst, diejeden nützlichen Eindruk, den die

Bau ziz

Schönheit einer Gegend machen kann,auch durch ihre Veranstaltung, nacheiner andern Art, hervorbringet, denNutzen zur Cultur des Geistes unddes Gemüthes nicht absprechen.

Wer irgend einen Gefchmak anOrdnung, Schönheit und Pracht inblos körperlichen Gegenständen hat,der lese die Nachricht, «welche Pau-sanias von Athen giebt, und über-lege hernach, was für Wartungenes auf einen Athcnicuscr müsse ge-habt haben, in einer solchen Stadtzu wohnen. Der würde gewiß einegeringe Kenntniß der menschlichenNatur verrathen, der uichc begrei-fen könnte, wie viel vorthcilhafteWürkung auf die Veredlung desMenschen dergleichen Gegenständehaben können. Ist die Nation, diein den besten Gebäuden wohnt, nichteben die vollkommenste; und giebtes in Ländern, wo nur elende Hüt-ten sind, Menschen, die nichts we-niger als barbarisch sind: so folgetdaraus nicht, daß jene nicht vielGutes an sich haben, das sie in an-dern Wohnungen nicht haben wür-den; und daß diese nichr noch voll-kommener seyn würden, wenn sieden guten Einfluß dieser Kunst auchempfunden hatten. So wenig manindessen sagen kann, daß die Bau-kunst eben die wichtigste Kunst zurCultur des Menschen sey, so wenigkann man ihr den Anthcil, den sienebst andern Künsten an dieser allenwichtigen Sache hat, ganz abspre-chen.

Das Wesen der Baukunst, in sofern sie die Frucht des vom Gefchmakgeleiteten Genies ist, besteht darum,daß sie den Gebäuden alle ästhetischeVollkommenheit gebe, deren sie, nachihrer Bestimmung, fähig sind. Voll-kommenheit, Ordnung, Schiklich-keit der innern Einrichtung; Schön-heit der Form, ein schiklicher Cha-rakter, Ordnung, Regelmäßigkeit,guter Gefchmak in den Verzierungen

von