Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
290
Einzelbild herunterladen
 

290 B a l

muß also nothwcndig etwas andersseyn, als der gemeine Tanz. Es istein Schauspiel, oder macht einenTheil desselben aus. Also muß esden allgemeinen Charakter desSchau-spiels an sich haben *).

Wie die Ballette ans der Schau-bühne gegeinvärtig sind, verdienensie schwerlich unter die Werke des Ge-schmaks gezahlt zu werden; so garnichts geistreiches und überlegtes stel-len sie vor. Man sieht seltsam ge-kleidete Personen, mit noch seltsa-mem Gebchrden und Sprüngen, mitgezwungenen Stellungen und garnichts bedeutenden Bewegungen, aufder Schaubühne hcrumrasen, undniemand kann crrathcn, was diesesSchwärmen vorstellen soll. Es istnichts ungereimtcrs, als nach ei-ner ernsthaften dramatischen Hand-lung eine so abgeschmaktc Lustbarkeitauf der Buhne zu sehen. Es schei-net also kaum der Mühe werrh, daßdiese Materie in einem ernsthaftenWerk in besondre Ueberlegung ge-nommen werde.

Da es aber nicht unmöglich ist,diesen Theil der Schauspielkunst zuveredeln, und dem Ballet einen an-sehnlichen Rang unter den Werkendes Eeschmaks zu geben, wenn esnur Ballctmcistcr gäbe, die, wie Nv-vcrre, dachten, so wollen wir eshier nicht ausschließen. Die Mit-tel, welche der Mahler hat, wichtigeWerke des Gcschmaks hervorzubrin-gen, hat auch derBalletmcister, undnoch dazu in einem weitern Umfange.Der Mahlcr und der Schauspielerbringen Scenen aus dem moralischenLeben vor unsre Augen, die sehr wich-tige Eindrüke auf uns machen; der-gleichen Vorstellungen hat auch derBallctineister in seiner Gewalt *).Er verdienet also eben so gut, alsjene, daß die Critik ihm zu Hülfekomme.

H S. Schauspiel.

") S- Tanzkunst.

B a i

Daß jede interessante Handlungdurch ein blos stummes Spiel könneso vorgestellt werden, daß der Zu-schauer einen starken Antbeil darannimmt, beweiseil die historischen Ge-mahlde. Diese stellen einen einzigenAugcnblik einer solchen Handlungvor; das Ballet aber kann eine Folgesolcher Vorstellungen cuthalten, woalles ein ganz andres Leben bekommt.Die Musik, von welcher es beständigbegleitet wird, verstärkt die Empfin-dung, vermehrt den Aurheil an derHandlung, und vertritt dabei) dieStelle der Sprache.

Aber warum soll man eine interes-sante Handlung durch ein stummesSpiel vorstellen, da das Drama sievollkommener vorstellen kann? werwird nicht lieber jede Handlung, sowie sie geschehen ist, als durch denTanz nachgeahmt sehen? wozu kannalso das Ballet nützen? Wenn dieseZweifel nicht konnten gehoben wer-de», so müßten wir das Ballet vonden Werken der schönen Künste aus-schließen.

Man kann verschiedenes zur Be-antwortung dieser Zweifel anfübrcn.Vors erste gicbt es sehr interessanteHandlungen, die sich zum eigentli-chen Drama nicht schikcn, weil esihnen an der Größe oder Ausdeh-nung fehlt. Valerius kNa.rünuserzahlt eine Anekdote von dem alternScipio, dem Afrikaner, der in sei-nem Landhause von Straßenrändernbesucht worden, die man nicht ohneden Wunsch lesen kann, die Hoheitdieses großen Mannes, und die,selbst Raubern, dadurch crwckteEhrfurcht, in Minen, Gcbehrdenund Bewegung vorgestellt zu sehen H.

Diese

*) Vülcr. ltliix. I.. II. c. ic>. Il.isc polk-giizup clviilclkici Lcipivni i'eiulciunt,Imes releisii eoscpic im-rmmtti tzllür:gm pnlkes jznuae ramgusm a.igusmralizitUilümzm lii gm.ilmeiumgue rem-plum veiiciurl, cupiäe^cipionis »ex-rrsm «ppredeaöorum; Li. cliu cleo-lculsri,