Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
285
Einzelbild herunterladen
 

Aus

durch ein, dem Ton darin» man ist,,fremdes, dem Tone dahin man ge-hen will, cigenthümliches, Intervallan, und macht hernach eine Cadenzin den angekündigten Ton.

Will man sich indessen in demneuen Tone nicht aufhalten, son-dern davon gleich wieder in einenandern gehen, so geschieht derSchluß nicht völlig, sondern; manvermeidet ihn. Wie dieses geschehe,ist an seinem Orte gezciget wor-den *).

2) Was hat man aber in Anse-hung der Wahl des Tones, dahinman gehen will, und der Zeit, dar-in» man sich in demselben aufhaltenkann, in Acht zu nehmen? Hiebeymuß man vor allen Dingen zwcyGrundsatze annehmen, wodurch dieAuflösung dieser Frage bestimmtwird. Der erste ist dieser: daß dieauf einander folgenden Töne nicht zustark gegen einander abstechen sollen,wodurch eine zu schnelle Verände-rung des Charakters entstehen wür-de; es scy denn, daß der besondreAusdruk es crfodcre. Der zweyteGrundsatz: daß der Hauptton, wor-aus ein Stük geht, bcy den Aus-weichungen in andre Töne niemalganzlich aus dem Gehör zu verlie-ren sei). Geschähe dieses, so wäreeigentlich die Harmonie des Ganzenzerrissen; die Theile hatten nichtmehr den gehörigen Zusammenhang,und es würde eine eben so schlechteWürkung thun, als wenn ein Ge-mählde in der einen Hälfte aus ei-nem andern Ton gcmahlt wäre, alsin der andern. Nach dem erstenGrundsatz wird also erfodert, daßman, wo nicht ein höheres Gesetzdes Ausdruks es anders erfodert,immer in die nächst verwandten Tö-ne ausweichen soll. Deswegen ge-hört die Betrachtung von der Ver-wandtschaft der Töne, von der bc-

") S. Cadenz.

Aus 285

sonders gehandelt worden ist *), hie-her. Dabcy ist auch die Länge desStüks in Betrachtung zu ziehen.In ganz kurzen Stücken, dergleichenkleine Lieder sind, hat man nicht-thig, in viele Töne auszuweichen.Man begnügt sich mit einer oderzwei) Ausweichungen, von da manwieder ill den Hauptton zurüke gehtund endiget. Ist ein Stük sehr lang,wie die Conccrre zu scyn pflegen, sokann man in mehrere, und so garin alle Töne, die die Zonleiter ent-hält, ausweichen, wenn man nur»mmcr von jedem auf einen nahe ver-wandten geht. Sieht man den Tomdahin man ausgewichen ist, wiederals einen neuen Grundton an, wel-ches mit einigen Einschränkungenangehet, so kann man wieder ausdiesem in alle andre, die seine Ton-leiter enthalt, ausweichen. Daherentsteht eine ungemein starke Man-nigfaltigkeit der harmonischen Schat-tinmgen.

Will man sich aber bcy der Man-nigfaltigkeit der Ausweichungen nichtVerlieren; so muß man den Zwcytcnvorher angeführten Grundsatz nichtaus den Augen lassen. Dieser wirdden Tonsetzer vor zwcy Fehlern ver-wahren. Er wird ihn hindern, sichin den von der Haupttonart entfern-ten, wiewol unmittelbar Mit ihmverwandten, Tönen zu lan^e aufzu-halten. Denn dadurch würde manden Hauptton zu sehr ans dem Ge-hör verlieren. So wird der Haupt-ton C dur durch b" dur ziemlich aus-gelöscht, weil der dieTonart bezeich-nende Ton, das Lubleinitonium I,,in ? dur ausgelöscht, und in K ver-wandelt wird. Noch mehr geschiehtdieses durch v moll, wo eben diesesb als die Sexte nöthig ist, zugleichaber auch das C in Cis verwandeltWird. Wollte man sich alsv, wenn

der

*) G, Verwandtschaft der ; Ten,

sÜht'UNg.