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1 (1792) [A - D]
Entstehung
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278
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Auslaufung.

(Baukunst.)

Nie Weite, um welche der äußersteRand eines Gliedes von der Achseder Säule heraus tritt. Die Be-stimmungen der Auslaufung der ver-schiedenen Glieder werden bcy Be-schreibung der Säulenordnungen ge-geben.

Ausrufung.

(Redekunst.)

Eine Figur der Rede, welche eineArt des Gcschreyes ist, wodurchman die Heftigkeit einer Leidenschaftdurch die Starke des Tones an denTag legt. Die Sprache hat zwcycr-ley Mittel die Leidenschaften ianszn-drükcn; die Worte, als bedeutendeZeichen dessen, was in uns vorgeht;und denn blos Tone, die keine deut-liche Begriffe mit sich führen, son-dern blos durch die Heftigkeit derEmpfindung mechanisch ausgestoßenwerden, wie die Tone O! und Ach!In heftigen Leidenschaften bestrebtsich die Seele ihre Empfindung aufalle mögliche Weife an den Tag zulegen, und suhlt wahrender Rede oft,daß die willkührlichen Zeichen dazunicht hinreichen; daher stoßt sie gleich-sam solche Tone aus, die überhauptdie Heftigkeit des Gefühls natürli-cher Weise anzeigen.

Die Ausrufung entspringt alsoganz natürlich aus allen starken Em-pfindungen, sie seyen angenehm,oder widrig. Die Tone, welche dieNatur in solchen Umstanden aus unserpreßt, sind nach der Beschaffenheitder Empfindung verschieden. Esgiebt Tone des Schmerzens, derFreude, der Bewunderung, der Ver«schmähung. Die deutsche Spracheist in diesem Stük eine der ärmsten;die griechische aber die reichste. Aus-ser dem angeführten O! und Ach!haben wir selten andre Ansrnfungs-

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tone. Die Neuern haben das Hah lzum Ausdruk des Zorns Hinzuge-than. Der -Mangel solcher charakte-risirten Töne wird bisweilen durchdie Apostrophe ersetzt: wenn manplötzlich ein höheres Wesen zur Hülfeoder zum Zeugen anruft. Ihr Göt-ter! Himmel! oder wie Haller thut:O Bern! O Vaterland! O Worte!

Die Ausrufung dienet demnachdie Starke der Leidenschaft, odervielmehr in derselben die lebhaftestenÄugenblike, die heftigsten Stiche derEmpfindung anzuzeigen, indem sieuns eine sehr lebhafte Vorstellungvon ihrer Gewalt giebt, die den Re-denden zwingt die ordentliche Redein eine Art des Geschreyes zu- ver-wandeln. Man sieht aber hierauszugleich, daß sie in den redenden Lei-denschaften nur selten vorkommenkönne. Sie ist einigermaßen mitdem Blitze zu vergleichen, der wah-rendem Rollen des Donners die Em-pfindung plötzlich rühret und gleichwieder verschwindet. Sie muß nurda angebracht werden, wo die Be-griffe, die in der Sprache liegen,nicht mehr hinlänglich sind, die Hef-tigkeit der Empfindung auszudrü-kcn, oder wo die Empfindung soplötzlich entsteht, daß man nicht Zeithaben kann, sich auf Worte zu be-sinnen.

Der.Rcdnerl oder Dichter, der inder Sprache der Leidenschaften redet,muß sich wohl in Acht nehmen, daßer die Ausrufung nicht allzusehrhäufe, noch sie anderswo, als inden heftigstenAugcnbliken, anbringe;denn durch den Mißbrauch derselbenfällt man in das frostige. Es istganz wider die Natur, daß die über-wältigende Anfälle der Leidenschaftoft kommen, oder lange anhalten.Sobald man aber merkt, daß einScribent den Mangel der Begriffemit Ausrufen ersetzen will, so wirdman kalt. Sie würken nur alsdenn,

wenn