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scher Dichter sich in alle, selbst ein-ander entgegengesetzte, Empfindun-gen muß setzen können, indem er jetzteinen friedfertigen, oder garstigen,denn einen verwegenen Mann mußsprechen machen, so begegnet e6 auchdem Tonsetzer. Er muß also da, woihm die Natur weniger Beysiand lei-stet, sich durch Fleiß und Uebunghelfen.
Hiezu dienet überhaupt das, waswir in dein vorhergehenden Artikelden Künstlern zur Uebung empfohlenhaben. Außerdem aber muß derMusikus sich ein besonders Studiumdaraus machen, den Ton aller Lei-denschaften zu erforschen. Er mußdie Menschen nur in diesem Gesichts-punkt sehen. Jede Leidenschaft hatnicht blos in Absicht auf die Gedan-ken, sondern auf den Ton der Stim-me, auf das Hohe und Tieft, dasGeschwinde und Langsame, den Ac-ccnt der Rede, ihren bcfondern Cha-rakter. Wer genau darauf merkt,der entdekt oft in Reden, deren Wor-te er nicht versteht, einen richtigenVerstand. Der Ton verräth ihmFreude oder Schmerz, ja so gar unter-scheidet er in einzeln Tönen einen hef-tigen oder mittelmäßigen Schmerz,eine tief sitzende Zärtlichkeit, einestarke oder gemäßigte Freude. Aufdie genaueste Erforschung des natür-lichen Ausdruks muß der Musikusdie äußerste Sorgfalt wenden; dennwicwol der Gesang unendlich vonder Rede verschieden ist, so hat diesedoch allezeit etwas, welches der Ge-sang nachahmen kann. Die Freudespricht in vollen Tönen mit einer nichtübertriebenen Geschwindigkeit, undmaßigen Schattirungen des Star-ken und Schwachen,, des Hohemund Tiefen in den Tönen. DieTraurigkeit äußert sich in langsamenReden, tiefer aus der Brust geholten,aber weniger hellen Tönen. Und sohat jede Empfindung in der Spracheetwas eigenes. Dieses muß der Ton-
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sicher auf das allcrbestimmteste beob-achten, und sich bekannt machen.Denn dadurch allein erlangt er dieRichtigkeit des Ausdruks.
Hiernachst befleiße er sich, die Wir-kungen der verschiedenen Leidenschaf-ten in dem Gemüthe selbst, die Folgeder Gedanken und Empfindungen ge-nau zu erkennen. In jeder Leiden-schaft treffen wir eine Folge von Vor-stellungen an, welche mit der Bcwe-g'.mg etwas ähnliches hat, wie dasbloße Wort, Gemutbsbewegung,wodurch man jede Leidenschaft aus.drükt, schon anzeiget. Es giebt Lei-denschaften, in denen die Vorstellun-gen, wie ein. sanfter Bach, einför-mig fortfließen; bey andern siröhmensie schneller, mit einem mäßigen Ge-räusche und hüpfend, aber ohne Auf-haltung; in einigen gleicht dicFolgeder Vorstellungen den durch starkenRegen aufgeschwollenen wilden Bä-chen, die ungestüm daher rauschen,und alles mit sich fortreißen, wasihnen im Wege steht. Bisweilengleicht das Gcmüth in seinen Vor-stellungen der wilden See, die itztgewaltig gegen das Ufer anschlägt,denn zurükc tritt, um mit neuer Kraftwieder-anzuprellett.
Die Musik ist vollkommen geschikt,alle diese Arten der Bewegung abzu-bilden, mithin dem Ohr die Bewe-gungen der Seele fühlbar zu machen,wenn sie nur dem Tonsetzcr hinläng-lich bekannt sind, und er Wissenschaftgenug besitzt, jede Bewegung durchHarmonie und Gesang nachzuahmen.Hiezu hat erMittel von gar vielerlcyArt in seiner Gewalt, wenn es ihmnur nicht an Kunst fehlt. Diese Mit-tel sind: ,) die bloße Fortfchrcitungder Harmonie, ohne Absicht auf denTakt, welche in sanften und ange-nehmen Affekten leicht und unge-zwungen, ohne große Vcrwiklungenund schwere Aufhaltungen; in wi-drigen, zumal heftigen'Affekten aber,unterbrochen, mit öftern Auswei-chungen