Aus
m unsrcr Vorstellung liegen. Sohat Homer ohne Zweifel jeden Ge-genstand, den er beschreibt, in demHellesten Lichte vor seinen Augen ge-habt. Nur der, welcher hell denkt,kann sich deutlich ausdrükcn. Die-ses lernt man nicht durch Regeln:von der Natur haben gewisse Geisterdie unschätzbare Eigenschaft, sichnicht eher zu beruhigen, bis sie al-les, was ihnen vorkommt, deutlicherkennt haben. Wenn man solcheSchriftsteller liest, die die Gabe derDeutlichkeit in einem hohen Gradehaben, wenn man sieht, wie sie soviel Gedanken, die wir auch schongehabt, aber nicht so deutlich ge-faßt hatten, mit dem Hellesten Lichtedarstellen, so kommt man auf denGedanken, daß solche Genies sich vonandern blos dadurch unterscheiden,daß sie jeder Sache so lange nach-denken, sich bey jeden: Gegenständeso lange verweilen, bis sie alles aufdas genaueste gefaßt haben. DieseGabe des genauen Nachforschens,in Absicht ans allgemeine Begriffe,«nacht vornehmlich das philosophi-sche Genie aus; in Absicht auf sinn-liche Gegenstände aber, das Geniedes Künstlers. In derRede müssenzur Deutlichkeit des Ausdruks beydezusammen kommen.
Ein gutes Mittel, das zum deutli-chen Ausdrur nothige Talent zu star-ken, ist das fleißige Lesen der Schrift-steller, die es selbst in einem hohenGrad besessen haben. Für den Aus-druk sinnlicher Gegenstände, Homerund Virgil, Sophokles und Euripi-des; für den Ausdruk sittlicher undphilosophischer Gegenstände, Aristo-phanes, Plautus, Horaz, Cicero,Quincilian,. und unter den neuem,Voltaire und Rousseau aus Genf,und von den unsrigen Wieland *).
Und, wenigstens, eben so sehr G.itzplir. Lessing; dessen Ausdruk ge-wiß gllcn deutschen Prosaisten zum Mu-ßer dienen kann. Es ist wohl nicht
Alls 2ZA
Dcm,^der hell denkt, wird es sel-ten am hellen Ausdruk fehlen. Dochist hierüber noch verschiedenes zu er-innern. (Quinrilian faßt die Eigen-schaften des deutlichen Ausdruks indiese wenige Worte zusammen: ei-gentliche Wörter, gute Ordnung, ei-nen nicht allzulange aufgeschobenenSchluß des Satzes, nichts mangeln-des und nichts übcrflüßjges *). Dieeigentlichen Wörter sind doch nichtallemal ohne Ausnahme zum hellenAusdruk nothwcndig. Denn oftwird ein Begriff durch ein uneigcnt-lcches Wort deutlicher gezeichnet, undHeller gcmahlt, als durch das eigent-liche; wie wenn Haller sagt:
Da ein verwöhnter Sinn auf alle» Mer-muth streut.Der eigentliche Ausdruk dienet fur-nehmlich in ganz einfachen Vorstel-lungen zur Deutlichkeit; aber wo dieBegriffe sehr zusammengesetzt, unddieVorstellung etwas weitläuftig ist,da dienet ein metaphorischer undwählerischer Ausdruk ungemein zurDeutlichkeit. Er überhebt uns derumständlichen Entwiklung, die we-gen ihrer Länge der Deutlichkeit scha-det. Denn viel auf einmal kannnur vermittelst eines Bildes klar ge-faßt werden. Es ist eine Regel,die kaum eine Ausnahme leidet, daßBegriffe und Gedanken, die aus vieleinzeln Vorstellungen zusammenge-setzt sind, nur durch glükliche Bilderklar ansgcdrükt werden. Welchereigentliche Ausdruk könnte das, wasCicero uuuuiiiaticmem iuris ae für.tunarum nennt eben so deutlichausdrüken?R 2 Das
zu viel gesagt, wenn man behauptet,daß kein deutscher Schriftsteller so sehrMeister der Sprache war, als diesergroße Mann.
") vropria verda, reÄus orcto, non inlongum ltitsea concinst»; nistilncgus(teste, negue tuperstuae, Ica scnnc»er stnÄis piodabilis er planus imperi-eis erst, Inst. I.. VIII, e. s, so.va IcZo Sjxr. Or. I.