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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
257
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Aus

Wörter muß diese Eigenschaft schonan sich haben. Dieses alles verdie-net näher entwikelt zu werden.

Wörter, als bloße Töne betrachtet,müssen nichts unbestimmtes, nichtsundeutliches, nichts allzngedrängtesnoch schleppendes haben. Der Geistempfindet nur in dem Maaße, inwelchem die Sinnen gerührt werden.Was für das Auge undeutlich ge-zeichnet ist, crwckt in dem Geiste kei-ne deutliche Vorstellung, also ver-nehmen wir auch die durch das Ge-hör kommenden Begriffe richtiger,klarer und bestimmter, wenn dieTöne, die sie erwekcn, diese Eigen-schaften haben, als wenn sie ihnenfehlen. Eine zweydeutige Sylbe,über deren Elemente oder Buchsta-ben man ungewiß ist, wird nichtgut gefaßt, und so auch ganze Wör-ter nicht, die aus solchen Eylbcn be-stehen; so geht es auch mit schwerenWörtern, die man kaum ausspre-chen kann; dcßwcgen gehört die Be-obachtung des Wolklangs zum voll-kommenen Ausdruk *).

Wenn der Ausdruk richtig, be-stimmt und klar ist, so erwekt er nichtnur gerade die Begriffe, die er erwe-kcn soll; sondern es geschieht, wenndiese Eigenschaften in einem gewissenGrad vorhanden sind, mit ästheti-scher Kraft, weil alles Vollkommeneeinen Reiz bei) sich führet. OhneAbsicht auf die Wichtigkeit der Din-ge, die man uns sagt, empfindenwir Vergnügen, wenn wir jedesDing mit seinem Namen nennen hö-ren. Selbst in dem Fall, da wireinen Gegenstand sehen, und einerichtige Vorstellung davon haben,ist es uns angenehm, wenn selbigergut beschrieben wird. Um so viel-mehr reizt es die Vorstellungskraft,wenn ein Redner das, was unbe-stimmt, verworren und zum Theildunkel in unser» Vorstellungen liegt,durch einen guten Ausdruk entwikelt.

') G. Wolklang.

Erster Theil.

Aus 257

Wer kann folgende in den wichtigstenund bestimmtesten Ausdrüken ver-faßte Beschreibung von der Eitelkeitdes menschlichen Lebens, ohne Ver-gnügen lesen?

Hier reißt ein schwach Geschlecht, mitimmer vollein Herzen,

Von cingebildtcr Ruh »nd allzuivchrenSchmerzen,

Wo nagende Begicrd und falsche Holl'nung wallt,

Zur ernsten Ewigkeit. Im kurzen All'enthalt

Des nimmer ruhigen und ungcfiMnLebens

Schnapt ihr bctrogncr Geist nach MemGut vergebens

Diese Vollkommenheit des Auchruksist vielleicht der wichtigste Tst'l derKunst des Redners und des Dolors.Wer sie besitzt, ist sicher, das er alle-mal sagen kann, was er s«M will.

Die Rede ist die größte G'siudnngdes menschlichen Versiansts, gegendie alle andre für nichts Zu rechnensind. Selbst die Vernul>ft- die Em-pfindungen und die Sitt'N, wodurchher Mensch sich aus der^Elasse irdi-scher Wesen zu einem löhern Rangherauf schwingt, hanget davon ab.Wer die Sprache vollkommenermacht, der hebt den Menschen einenGrad höher. Schon dadurch alleinverdienen die Beredsamkeit und Dicht-kunst die höchste Achtung.

Es sind zwcy Mittel zum vollkom-menen Ausdruk zu gelangen; dieKenntniß aller Wörter der Spracheund eine philosophische Kenntnißihrer Bedeutung. Bcyde müssen miteinander verbunden werden. Eshilft nichts, daß man bestimmt den-ke , wenn man die Wörter nicht fin-det, jeden Vcgrif auszudrüken; nochweniger hilft es alle Wörter zu wis-sen, wenn man ihrer Bedeutung nichtgewiß ist. Das Studium der Spra-che in dieser doppelten Absicht, ist vonder größten Nothwendigkeit. Wer

sich

5) HaSer im Gedichte vom Ursprung desNebels.

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