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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
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A u s

Ausarbeitung nichts versäumen will,muß sein Werk, nachdem es durchdie Ausführung alle seine Thcile be-kommen hat, noch eine hinlänglicheZeit in seinem Busen herumtragen;damit er es oft sowol im Ganzen,als in den Thcilen übersehen könne.Nur diese genaue Bekanntschaft mitseinem Werke setzet den Künstler inStand, die Ausarbeitung desselbenglüklich zu vollführen.

Eine wichtige Sache dabcy ist daskalte Blut. So wichtig das Feuerder Einbildungskraft beym Entwurfeines Werks ist, so schädlich ist esder Ausarbeitung; davon wird derPhilosoph psychologische Gründe an-geben. Eine erhitzte Phantasie siehtin jedem Gegenstand mehr, alswürk-lich darinn ist. Der Künstler also,der mit Feuer entwirft, laßt man-ches aus; weil er es sieht, ohne daßes würklich vorhanden ist. Konnteer die, für welche er arbeitet, beymAnschauen seines Werks in eben dieFassung setzen, in welcher er beyVerfertigung desselben gewesen ist,so würde die Ausarbeitung über-flußig werden.

Man behalte also jedes Werk solange an sich, bis man es ohnemerkliche Regung der väterlichenZärtlichkeit, ohne Erneuerung deslebhaften Gefühls, in welchen: esentworfen worden ist, ganz überse-hen kann; bis es uns selbst einiger-maßen fremd geworden ist. Alsdcunist das Urtheil davon frcy, und dieAusarbeitung möglich.

Dieser Theil der Kunst hat aberauch seine Abwege. Man kann einMesser, um ihm die höchste Schärfezugeben, so lange schleifen, bis al-ler Stahl weggcschliffcn ist; und sokann durch eine übertriebene Ausar-beitung ein Werk viel von den hö-hern Kräften, die es gehabt hat,verlieren. Wer glaubt, daß ergebeKleinigkeit, die er fühlt, ausdrukcnwolle, der irret sich, und wird durch

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die dahin abzielende Ausarbeitungsein Werk verderben. Es kömmtdarauf an. daß auch von den klei-nem Schönheiten nur die wesent-lichsten glüklich in ein Werk gebrachtwerden; diese machen, daß man sichdie andern hinzu denkt. Eine Anek-dote, die ich von einem guten Künst-ler habe, ist hier au ihrer Stelle.

Ei» Mahler hatte ein Gcmähldevon Davis Tcimora copirt; undfand, nachdem er allen möglichenFleis darauf gewendet hatte, seineCopie ohne Haltung. Stük fürStüh jeden Theil, für sich betrach-tet, fand man nicht, daß etwas fehl-te ; dennoch fehlte dem Ganzen fastalles. Man ruft das Auge einesFreundes zu H ilfc, setzt Originalund Copie neben einander, damitein unparth episch es Auge entdeke,was dieser fehle. Hier zeiget sich ei-ne Ungleichheit in einem unerheblichscheinenden Umstand. Im Vor-grund des Originals hieng ein Stükweiße Leincwand an einer Stange,und dieser kleine Umstand war in derCopie ausgelassen. Der Kenner kamauf die Vcrmuthung, daß diesesein wichtiger Umstand seyu möchte.Man klebte in der Copie nur etwasweißes Papier an die Stelle, wodie Leinewand weggelassen war; so-gleich bekam das ganze Gemahld eineHaltung, die ihm eine wiederholteBearbeitung nicht hätte geben können.In einer Landschaft von Rembrandtist gegen einen sehr dunkeln Wald,vor welchem ein davon ganz beschat-tetes Wasser liegt, eine weiße Was-sermeeve in der Luft vorgestellt, diegegen das sehr dunkle Grüne desWaldes absticht. Dieser kleine Um-stand gicbt dem Gcmählde ein son-derbares Leben, welches sich verliert,sobald man diesen kleinen weißenFlek bcdeket.

Wer bey der Ausarbeitung soglüklich ist, wenige kleine Schönhei-ten von dieser Art anzubringen, derO- 5 giebt