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thun, das thun die deutschen znwenig. Die wenigsten deutschenSchriftsteller sehen die Ausarbeitungals einen Theil der Kunst an. Mankönnte sich darüber trösten, ivennnur dieftr Mangel, wie etwa beymAeschylus, durch höhere Vollkom-menheiten ersetzt würde.
Doch ist hicscs nicht so zu verste-hen, als wenn jene fürtrcfflichen Ei-genschaften nicht ohne lange undmühsame Bearbeitung könnten er-halten werden. Die Ausarbeitungist nicht allezeit schwer, auch nichtimmer von den übrigen Arbeiten derKünstler abgesondert. Es giebr Wer-ke, die durch eine einzige Bearbei-tung vollkommen werden; aber siesind selten. Die letzte Vollkommen-heit hangt von so viel Kleinigkeitenab, daß nur eine lang anhaltendeBetrachtung und ein sehr öfteres Ue-berdcuken selbige bemerkt. So lan-ge man von den Hauptthcilen, diedie größte Kraft haben, eingenom-men ist, so lange wird die Aufmerk-samkeit den kleinen, Theilen entzo-gen. Wer eine sehr reizende Personzum erstenmal sieht, wird einige kleineMangel sowol in ihrem Gesichte,nls in ihren Manieren, nicht beob-achten. Die Starke der Empfin-dung laßt ihm keine Muße dazu.So urtheilen wir auch von den Wer-ken der Kunst. Der Künstler, derin der Hitze der Einbildungskraft ar-beitet, hat nur auf die HauptsachenAcht; die feinen Thcile entgehen ihm.Nur auf einem vollkommen stillenWasser bildet sich ein Gegenstand inder vollkommensten Achnlichkeit ab;und eben so kann mir das ganz ru-hige Gemüth des Künstlers lebenkleinen Mangel in seinem Werk ent-deken, und jede kleine Schönheit hin-ein bringen.
Gar oft haben die vollkommenstenWerke das Ansehen, als wenn sieohne alle Mühe der Ausarbeitung,mehr auf einmal geschaffen, als
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durch öftere Bearbeitung nach undnach entstanden waren. Aber manglaube nicht, daß diese Leichtigkeitohne Mühe erhalten worden. Ins-gemein ist das, was am leichtestenbegriffen wird, dem Künstler amschwersten worden. Man sehe hier-über, was der scharfsinnige Verfas-ser des Versuchs über Popens Genieund Schriften sagt*). Folgendes istdaraus genommen: „Moliere sollganze Tage über ein schiklichcs Bey-wort, oder über einen Reim zuge-bracht haben, ob in seinen Versengleich alle Flüssigkeit und Frcyhcitdes natürlichen Gesprächs herr-schet. — Man erzählt, Addison sei)erstaunlich eigen in Ausputzung sei-ner prosaischen Arbeiten gewesen, daßer, nachdem der ganze Äbdruk einerAuflage bcynahe geschehen war, denDruk verhindern wollte, um eineneue Präposition oder Conjunktioneinzuschalten." Horaz hielt die Be-merkung alles dessen, was zur voll-kommenen Ausarbeitung gehört, fürso wenig leicht, daß er dem Künst-ler das dlouum prematur in annuinanräth.
Die Nothwcndigkeit einer langenZurükhaltung des Werks, das voll-kommen erscheinen soll, laßt sich amleichtesten daher begreifen. Nur anden Dingen, die uns durch den täg-lichen Gebrauch sehr geläufig wor-den, erkennen wir jeden kleinen Man-gel, und jede kleine Vollkommenheit.Alf» auch in Werken des Geschmaks.Erst alsdenn, wenn man sie, wieman es nennt, auswendig kann, istman im Stande, alle Kleinigkeitenzu bemerken. Dieses aber ist ebendas, worauf es bey der Ausarbei-tung ankömmt. Wer also in der
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*) Man kann dieses in der de» Nico-lai, in Berlin, herausgekommenenSammlung vermischter Schriften zurBeförderung der schönen Wissenschaf-ten, nachlesen. S. den VI. Th. S.-z6 u. s. f.