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lung der Alten müssen voraus gesetztwerden, vor Augen hat; so wirdman ihnen gewiß Gerechtigkeit wie-derfahren lassen. Zwar nehmen wirgar nicht auf uns, zu behaupten,daß alle ihre Werke ganzlich ohneTadel seyn: aber dieses scheinet aus-gemacht zu seyn, daß ihr Geschmaküberhaupt natürlicher und männli-cher gewesen, als der Geschmak dermeisten Neuem; daß ihre Werke den»msrigen darinn weit vorzuziehen; daßsie von wesentlichem! Nutzen gewe-sen; daß sie mehr Wartungen aufdie Bildung einer männlichen Denk-art gehabt; daß sie das Gründlicheweniger durch zufällige Zicrrathcnverdunkelt; und wie überhaupt inihrer ganzen Litteratur weniger Be-trachtung und hingegen mehr Anwen-dung auf den würklichen Gebrauchwar, als in unfern Zeiten; so schei-nen ihre Werke weit tüchtigereStaatsmänner, gute Bürger undtapfere Soldaten zu bilden, als dieWerke neuerer Zeiten. Bey ihnenwar in ihrem Leben, wie in ihrenKünsten, alles praktisch; bey unsdenken wir selbst über Sitten undPflichten nur spekulativisch; da,wo jene handelten, begnügen wiruns, zu denken; jene waren durch-aus Herz; wir sind durchaus Geistoder Wiz.
Man empfiehlt dcßwegen ein flech-siges Lesen der Alten nicht ohnewichtige Gründe. Es ist unmöglich,sich mit ihnen genau bekannt zu ma-chen, ohne in seinem Geschmak undin seiner Denkart eine sehr vorthcil-hafte und männliche Wendung an-zunehmen. Sie haben ungleich mehrfür den praktischen Verstand, alsfür die Belustigung des Geistes ge-arbeitet; die Empfindungen habensie nicht weiter getrieben, als sienützlich sind; das Ucbertricbene der-selben, womit einige unter uns sicheinen Ruhm zu erwerben gesucht ha-ben , kannten sie nicht.
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In den goldenen Zeiten der grie-chischen Frcyhcit waren die Künsteunmittelbare Werkzeuge, dem Staateund der Religion zu nutzen. JedeArbeit hatte ihren bestimmten Zwek.Dieser leitete die Künstler in ihrenEmpfindungen, und setzte sie in dasFeuer, ohne welches kein Werk vor-züglich werden kann. Auf ihrenZwek gierigen sie ohne Umschweif zu,und da sie ihre Gesetze, ihre Sittenund die Beschaffenheit des menschli-chen Herzens immer vor ANgen hat-ten; so konnten sie nicht leicht in dieIrre verleitet werden. Schon beyder Erziehung ward der Jugend an-gewohnt, sich als Glieder des Staatsanzusehen. Dieses gab ihren Vorstel-lungen allemal etwas praktisches, undihren Handlungen eine Richtung, dieimmer auf etwas wichtiges abzielte.Wenn also ein junger Grieche zu ar-beiten anfieng, so war es so gleichfür den Staat. Man darf fichveß-wcgen nicht befremden lassen, daß inallen ihren Werken eine männlicheStärke, eine reife Ucbcrlegung und be-stimmte Absichten hervorleuchten, dieso oft in den Werken der Neucrnfehlen. Bey unfter Erziehung ge-wohnt man der Jugend eine einge-schränktere Denkart an. Nicht dieVernunft, sondern die Mode, wirdihr zur Richtschnur vorgeschrieben;man darf nicht eher reden oder han--deln, bis man sich durch ein ängst-liches Umsichfthcn versichert hat, daßman dadurch niemanden mißfallenwerde. UnsercJugend stehet sich blos,als einer Familie zugehorcnd, an,und ihr großer Verdienst ist, denHäuptern ihrer Familie zu gefallen,die Augen auf sich zu ziehen und nachder Mode zu leben. Die Alten hiel-ten bey der Erziehung streng auf al-les, was zur bürgerlichen TugendgeHort, und waren nachsichtig indem, was die allgemeine menschlicheTugend betrifft. Wir kehren diesesum. Von diesem kindischen GeisteH 3 »-iget