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ses eine Stelle, die seinen Zuschauernunstreitig vorzüglich hat gefallenmüssen.
Zu den Zeiten des Homers war esin dem Umgange der Menschen nochnichtgebrauchlich, gegen seine Em-pfindungen eine Sprache zu führen,die wir die Sprache der Höflichkeitnennen. Jedermann drüktc sich oh-ne Umschweife natürlich aus, undwenn er es nöthig fand, dem an-dern einen Verweis zu geben, so ge-schah es nicht durch Umwege; erdrükte sich geradezu aus, ob er gleichkeine Bitterkeit im Herzen hatte.Man muß also dergleichen Reden,wovon in derJlias häufige Bcyspielesind, nicht wollen nach den heuti-gen Sitten beurtheilen. Wie konnteHomer eine Natur mahlen, die zu sei-ner Zeit noch nicht vorhanden war?
Bcy eben diesem Dichter kommtmanchem die gravitätische Art, durchförmliche und etwas feperlichcRedenim Umgang sich gegen einander zu er-klären, sehr seltsam vor. Die ge-ringsten Berichte oder Botschaften,die ein Herold im Namen eines Heer-führers bringt, werden mit Feier-lichkeit vorgetragen *): aber diesesist vollkommen in den Sitten dersel-bigcn Zeiten; der Dichter wäre durcheinen andern Vortrag unnatürlichgeworden. Also ist das eine wnrk-liche Schönheit bey ihm, was man-chem tadelhaft scheinet. Wer nichtbedenkt, daß nach den Sitten derAlten gewisse itzt sehr geringe Sachen,jenen überaus wichtig gewesen, derwird den Homer und den von ihmgeschilderten Achill für Kinder halten,wenn er liest, mit was für Vorstel-lungen Minerva diesen Helden überden Verlust der Beute, die ihm Aga-memnon abgenommen hatte, zu be-sänftigen sucht.
Wir können aber kein besseres Bei-spiel anführen, die Nothwcndigkcit
') Man sehe z. B. im IV. B. der Jliasden 204 u> l> V-
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zu zeigen, die Sitten der Alten, bcyBeurtheilung ihrerWerkc vor Augenzu haben, als die Rede des Nestorsim II. Buch der Jlias, wodurch erdie Griechen von der Aufhebung derBelagerung abmahnet. Dieser ehr-würdige Greis sagt seinen Soldaten:er wolle nickt hoffen, Saß sie ehernach Hause segeln werden, als bisjeder von Ihnen bep der Fraueines Trojaners würde geschlafenhaben.
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Dieses wäre der schändlichste Beweg-grund, den ein Heerführer in unfernZeiten brauchen könnte. Und denlegt Homer dem ältesten und weise-sten Feldherr» in den Mund. Den-noch kann man hier dem Dichternichts znr Last legen. Man muß be-denken , daß nicht nur zu seiner Zeit,sondern noch viel später, die gesetz-mäßige Gewohnheit geherrschet, daßdie Einwohner einer im Kriege er-oberten Stadt Sclaven der Siegergeworden; daß besonders die Frauenals eine Beute ausgethcilt worden,von der sich jeder eine oder mehrereBeischläferinnen aussuchte; daß dieBelagerten sich allemal auf diesenFall gefaßt machen mußten. DerDichter hat diese Sitten nicht einge-führt, sondern gefunden. DieselbeBewandtnis hat es mit der Stelle,wo Agamemnon den Menelaus schilt,daß er den Adrast, der sich ihm er-geben hat, als seinen Gefangenenannehmen will, und daß er diesenFeind so gar mit eigener Hand um-bringt. So wie in unfern Zeitenein Heerführer sich durch eine solcheThat mit Schande bedcken würde,so wäre auch ein Dichter, der ihnso handeln ließe, höchlich zu tadeln.
Wenn man dergleichen Betrach-tungen, die zu gründlicher Bcurthei-