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sehr oft von der heutigen Form weitab; ob gleich das Wesentliche dieserWerke cinerley ist. Wir reden hierhauptsachlich von den Werken, dienicht blos zum Vergnügen und Zeit-vertreib geschrieben sind, sondernvon solchen, bcy denen eine morali-sche Absicht zum Grunde liegt, wel-che durch eine, nach dem Gcschmakeder Zeiten angemessene, Form erreichtwird.
So hatten die griechischen Dichterbey ihren Trauerspielen nicht blosdie Absicht, ihre Zuschauer ein PaarStunden lang in eine angenehmeVerwirrung verschiedener Empfin-dungen zu setzen, dadurch ihre Ge-schiklichkcit zu zeigen, und sich per-sönliche Hochachtung, oder andreVortheile, zu erwerben; die gewöhn-liche Absicht der neuen Dichter. Die-se Verschiedenheit in den Absichtenmußte nothwendig einen großen Un-terschied in der Ausführung hervor-bringen.
Es ist aber kaum eine Art des Ge-dichtes , oder der ungebundenen Re-de, die nicht ursprünglich zum Be-huf der Religion, oder der Politikeingeführt worden Ware. Darnachmuß vieles in der zufälligen Formderselben beurthcilt werden. Ohnediesen Leitfaden, wird man sehr fal-sche und unbillige Urtheilc über dieWerke der Alten fallen. So findenviele Neuere etwas unnatürliches inden Chören des alten Trauerspiels.Wenn sie aber bedächten, daß diefestlichen Gesänge derselben das we-sentlichste der ältesten Tranerspiele,und die Handlung etwas zufälligesgewesen *); so würden sie finden,daß die Dichter, in deren Willkühres nicht stund, Veränderungen mitden Chören vorzunehmen, mit allemmöglichen Geschmak und mit großerWeisheit, die Chöre mit der Hand-lung in Eines verbunden haben.
*) S. Chor. Episode.
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Eben so findet man in den reden-den Künsten der Alten Dinge, dieauf das beste und vernünftigste inden Hauptabsichten der Verfasser ge-gründet sind, und also nothwendigzur Vollkommenheit ihrer Werke ge-hören; ob gleich dieselbigen Sachenin den Werken der Neuern einen Uc-belstand verursachen würden. Wennwir den vierten Auftritt des erstenAufzuges in der Anrigone des So-phokles lesen, so wird es uns anstößigund frostig scheinen, daß der Sol-dat, welcher dem Lrson die Zeitungvon der Beerdigung des Polpniceshinterbringt, sich so seltsam dabei)gcbehrdet. Ein Unwissender könnteleicht auf die Gedanken gerathen, derDichter habe da poßirlich senn wol-len. Wenn wir aber bedenken, daßden atheniensischen Dichtern bcy al-len Gelegenheiten die politische Pflichtobgelegen, ihren Mitbürgern einenAbscheu für die Monarchie bcyzu-bringen, so werden wir finden, daßdieser Auftritt da fürtrefflich ist. Ermahlt das ausschweifende Wesen,wozu der deftotische Geist gewisserMonarchen ihre Sclaven verleitet,mit meisterhaften Zügen.
Wie man bey den Werken des Ge«schmaks die Absichten, denen noth-wendig alles andre untergeordnetseyn muß, nicht darf aus der Achtlassen; so muß man bey dem Lesender Alten ihre Sitten, ihre Gesetzeund ihre Gebräuche, beständig vorAugen haben. Ohne Rüksicht aufdiese kann kein Urthcil vernünftigausfallen. Wenn man nicht be-denkt, was für wichtige Sachen bcyden Griechen die öffentlichen Wett-streite und besonders das Pferderen-nen gewesen; so wird man meynen,Sophokles habe in der Elektra ei-nen großen Fehler begannen, da erbey der erdichteten Erzählung vomTode des Orestes, sich in eine soweitlauftige Beschreibung eines sol-chen Streits einlaßt. Doch ist die-
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