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der Geistesbildung überhaupt zu suchen.Wenigstens waren in der Dichtkunst derfrühern Völker, besonders in den blühen-den Zeitpunkten derselben, die Muster da-zu, oder vvrsetzliche, ganz allegorischeWerke, nicht anzutreffen. Wenn auchviele der einzeln Dichtungen des Homers,ursprünglich, eigentliche Allegorien wa-ren : so hören sie denn doch unter seinerBehandlung auf, Allegorien zu sepn, undwerden zu wirklichen Thatsachcn; nurScholiasten, und Grammatiker haben ihmden Vorsatz, allegorischen zu wollen, an-dichten können. Späterhin erscheint zwarnoch, in dem Prometheus des Acschylus,die Stärke und Macht )
als handelnd; so wie, in dem Aristopha-nes, mehr als eine allegorische Person;und unter den spätem, römischen Dich-tern hat auch Claudian, in dem Gedichte,De dlupciis kionoriao er ^lsrise (c>p,B. r. S. iz z. bist. Cesn.) so gar eineabsichtliche Allegorie geliefert; aber nuraus einer, zugleich die ganze Moral um-fassenden Religion, hat, meines Bedün-kcns, jene, wenn ich mich so ausdrückendarf, dichterische Lchrsucht, welche in denAllegorien jener j Zeiten und in jeder Alle-gorie, mehr oder weniger, herrscht, zuentwickeln vermocht; nur durch sie konnteRücksicht auf wirkliche Begebenheiten,und wirkliche Empfindungen geschwächt,und der Dichter vielleicht »erleitet werden,eben so sehr seinen Scharfsinn und seineErfindungsgabe, als die Sache selbst, sei-nen Lesern, ober Zuhörern zeigen zu wol-len. Auch lassen Sünde, Tod, und der-gleichen Begriffe, sich nicht so leicht, wiedie Gottheiten der Altcrthums, in han-delnde Wesen, verwandeln. Es bedurftealso zu der Vcmirkung dieser Erscheinung,nicht erst, wie Warton will, der Araber,und des, diesen vorgeblich eigenen Hangeözu Aesopischcn Fabeln, oder des Morgen-ländischen Geistes überhaupt, anders, alsin so fern dieser, mehr oder weniger, schonin jener Religion selbst herrscht. Nochweniger kann das Ritterivcscn an und fürsich, wie eben dieser Schriftsteller zu glau-ben scheint, den Hang zum Allegorischen
begünstigt haben. Wenn der Ritter gleichöfterer, gleichsam vermummt, erschien: sowollte er doch nie etwas anders darstellen,als was er wirklich war. Aber wohl zeigtschon in den Schriften der Kirchenväter,besonders im Hermas, sich der Geist desAllegorisirens. Und es ist bekannt, daß,aus religiösem Stoffe, und zu religiösenFeyerlichkeiten, die ersten, eigentlichenSchauspiele der Europäischen Völker, imzwölften Jahrhundertc, zusammen gesetztwurden, und daß in ihnen (in den so ge-nannten Mysterien) immer allegorischePersonen, wie, z. B. Sünde, Tod, Hof-nung, Glaube, Liebe u. d. m. austreten.Aus diesen entwickelten sich die Morali-täten, die eigentlich durchaus allegorischsind. Wie hätte also auch nicht, auseben dieser Quelle, die epische Allegorieentspringen sollen? Frcylich ist aber diesesnur in dem Maße erfolgt, worin dieUeberbleibsel der griechischen und römi-schen Poesie nicht zu Mustern genommenwurden. Und daher wird es, meinesVedünkens, begreiflich, warum die Ita-liener, im Ganzen, nicht so viel, durch-aus allegorische Gedichte, als die andernabendländischen Völker, in diesem Zeit-punkte, erhalten haben. Zwar ist derGeist der Allegorie sichtbar genug in demWerke des Dante. Die ganze Anlagedesselben athmct, mehr oder weniger, die-sen Geist. Religion, Gnade, Liebe lei-ten wenigstens die Begebenheiten ein.Und Pctrarch schrieb, bekannter Maßen,dicrrionste st'smcire, stells csftico, stellamurre, clella täma, stel rsmxc» er steil»stivinirä (bei? den verschiedenen Ausgabenseiner r!me befindlich; deutsch, Löthcn564z. 8.) die unstreitig nicht zu dem bes-sern Theil seiner Gedichte gehören. Auchzeigt sich die allgemeine Herrschaft jenesGeistes in noch viel spätren.Zeiten zurGnüge daran, daß das bestellte Jerusa,lcm sich allegorischen lassen mußte. Alleindie nähere Bekanntschaft mit de» Ciasfl-kern, zu welcher die Italiener unstreitigfrüher als die übrigen jener Völker ge-langten , war dem Allegorischen zu weniggünstig, als daß cS hätte durchaus herr-F 2 schenk»