A l l
Dergleichen kurze Handlungen, sag'ich, lassen.uns nicht Zeit, aus derTäuschung, daß bloße Begriffe han-delnde Wesen seyn, heraus zu kom-mcn. Was der Dichter ihnen zu-schreibt, kommtmitdemuberein, waswir uns von ihnen einbilden, undgicbt unserer Einbildung mehr Leb-haftigkeit.
Aber sich lange dabei) verweilen,ihre Handlungen cntwikcln, und sogar mancherlei) Nebenumstande her-einbringen, die das Gefühl von derUnmöglichkeit der Sache erweken,dieses macht die ganze Sache anstös-sig. Daher laßt sich begreifen, wieso viel Personen von Grschmak esunleidlich finden, daß Voltaire dieZweytracht große Reisen thun, undmit der Politik in Unterhandlung tre-ten laßt. Durch solche Weitlauftig-keit laßt man dem Leser Zeit sich zubesinnen und ans der hier so noth-wcndigen Täuschung zu kommen.Es begegnet alsdenn jedermann, wasseichten Kopsen, deren Einbildungs-kraft ohne Lebenswärme ist, schonHey ungewöhnlichen Metaphern be-gegnet, die bcy dem Ausdrnk, DerTod fraß LUlensichen und Vieh, fra-gen, ob er denn einen Mund und ei-nen Magen habe. Freylich wird dem,der das, was die Einbildungskraftim Ganzen sinnlich fassen soll, nach-denklich zergliedern will, auch diegemeinste Metapher anstoßig. Aberauch der wärmsten Einbildungskraftgeschieht dieses, wenn man ihr dieallegorischen Personen zu lange imGesichte laßt, und sie, durch dasUmständliche in der Vorstellung,zwingt ins Nachdenken zu kommen.
Man sucht die Sache durch dieNothwcndigkeit zu rechtfertigen, dieHandlung durch Einmischung solcherWesen wunderbar zu machen. DieAlten, sagt man, konnten ihre Gott-heiten dazu brauchen, aber izt wärees unanständig, das höchste Wesenin politische Händel zu venvikeln;
Erster Theil.
All
also fiele ohne jene allegorische Wesendas Wunderbare, das der Epopee sowesentlich ist, weg. Allein wenndieses seine vollige Richtigkeit hatte,welches wir doch nicht zugeben kön-nen, so würde dadurch eine schlech-terdings anstößige Sache zwar ent-schuldiget, aber nicht bewiesen, daßsie schön sey. Das Große und Wun-derbare der Ilms kommt wahrlichnicht blos von der eingemischtenHandlung der Götkr her, und inOßians Epopeen sind weder Götternoch allegorische Wesen.
Ganz erdichtete Wesen, Sylphen,Genii und dergleichen werden unei-,gentlich allegorische Wesen gciicnnt:sie sind es nur in den zeichnendemKünsten. Die Betrachtungen über,ihren Gebrauch finden sich an einemandern Orte, und werden hier nichtwiederholt *).
Du der richtigen Beurthcklung des vor-hergehenden Artikels überhaupt, empfehle?ict> die Rcccnsivn desselben, in der Allg.dentlchcn Bibi. B. 22, <Z. 21. .— Bon der,Allegorien hervor bringenden Kraft deeSeele, als von einer, zu den Bcstand--theilcn des Genies, gehörenden Eigen-schaft, wird, in dem llssoy »n Orl-iü.il,Lenins, lftoncl. 1767. S. 172U. f.—Von dce, in der Beschaffenheit des mensch-lichcn Geistes, gegründeten Norhwcndig,keit, immer zu allcgorisircn, an 5?. Her»ders Aufs. lieber Bild, Dichtung und Fa-bel, in den zerstreuten Müttern, zwSamml. S. 87 u. f. — Von dem Unter»schiede in der Darstellung allegorischer Per-sonen zwischen Lichtkunst und Mahlceey,in Lcssings kaoeoon, S. uz u. f. deritcnAull, (veegl. mir dem ersten der kritischenWcklder, 11 und 12. S. ü6u f.) — Vondem Wesen, und dem Ursprünge der Alle,gorie aus der menschlichen Seele, und inwie ftrn Allegorie also überhaupt zu denlyrischen Oichtarten zu zahlen sey , in H.
Hcydcn-
H S. Mythologie.