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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
73
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A l lAllegorie.

(Redcndc und zeichnende Künste.)

Ein natürliches Zeichen, oder einBild, in so fern es an die Stelle derbezeichneten Sache gesetzt wird. So-wol in der Rede, als in den zeich-nenden Künsten werden aus mancher-lei) Absichten Gegenstände dargestellt,durch welche andre Dinge vermittelstder Achnlichkeit, die sie mir jenenGegenständen haben, können erkenntwerden. Das bekannte Sprüchwort:Der Apfel fallt nicht rvcic vomStamm, stellt uns einen Gegenstandaus der körperlichen Welt vor, durchwelchen wir eine andre Sache erra-thcn sollen; nämlich, daß Kindergemeiniglich nach den Aeltern arten.Wenn das Bild und das Gcgcnbildzugleich dargestellt werden: so hatman eine Vergleiclnmg oder einGleichnis z wird aber das Gegenbildganz weggelassen, so hat man dieAllegorie.

Diese Verwechslung des Bildesmit seinem Gegcnbild wird auf man-cherley Weise veranlasset. Sie ge-schicht aus Noch, wenn es nichtmöglich ist, die bezeichnete Sacheselbst darzustellen, wie in dem Falle,da die zeichnenden Künste allgemeineBegriffe darstellen sollen, die keinGegenstand des Gesichts sind: ansVorsichtigkeit, wenn man sich nichtgetraut, die Sache selbst vorzulegen,und sie lieber will crrathcn lassen;wie in dem Falle, daHorar den Rö-mern einen neuen bürgerlichen Krieg«brachen will, und aus Vorsichtig-keit blos ein Schiff anredet, dem erdie Gefahr zu scheitern vorstellt"):aus ästhetischen Absichten, der Vor-stellung vermittelst des Bildes mehrKlarheit, oder mehr Nachdruk, oderUberhaupt mehr ästhetische Kraft zugeben. Wenn Kaller sagt:

Mach deinen Raupenstand und einenTropfen Zeit,

') illorar. (Zä. I,. I, oc>. 14,

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Den nicht zu deinem Zwek, die nichtzur Ewigkeit;so drükt er dnrch diese allegorischenBilder das, was er von der eigent-lichen Bestimmung und Kürze desgegenwärtigen Lebens hat sagen wol-len , sehr viel kürzer, nachdrüklicherund sinnlicher aus, als es ohne Al-legorie hätte geschehen können.

Wir wollen zuerst die Allegoriein den redenden Rünsten betrach-ten.

Hier sind dreyerley Dinge zu un-tersuchen. Die Beschaffenheit undWürkunq der Allegorie überhaupt;ihre verschiedenen Gattungen; jederGattung besondere Beschaffenheit undAnwendung; endlich die Quellen,woraus sie geschöpft werden.

Ucberhaupt liegt in jeder Allegorieein Bild, aus welchem die Sache,die man sagen will, bestimmt undmit Vorthcil kann erkennt werden.Bestimmt Und mit Gewißheit; weilsonst die Allegorie ein Räthscl: mitVorthcil; weil sie sonst unnütz wäre.Daher entstehen die zwey wesentlichenEigenschaften der Allegorie: die ge-naue Achnlichkeit zwischen dem Bildund dem Gegcnbildc: damit diesesdurch jenes sich dem Verstände so-gleich darstelle; und die ästhetischeKraft des Bildes, durch deren be-sondere Beschaffenheit die Art derAllegorie bestimmt wird. Was hierüber die Achnlichkeit und die ästheti-sche Kraft der Allegorie anzumerkenwäre, ist bcy der allgemeinen Be-trachtung der Bilder angeführt wor-den, und hier nicht zu wiederholen").Außer diesen wesentlichen Eigenschaf-ten der allegorischen Bilder muß dieAllegorie noch zwei) andre haben:sie muß weder zu weit getrieben, nocheinen Zusatz von dem eigentlichenAusdruk haben. Bei)des gicht ihretwas Ungereimtes. Die Alten ha-ben den menschlichen Körper die klei-

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*) S.Bild.